Bereits seit einem Vierteljahrhundert gibt es Messen "in der Sprache des Herzens"

Redakcja
Krzysztof Świderski
Die Geschichte der deutschen Messen in Sankt Annaberg begann am 4. Juni 1989 - an einem Tag, an dem symbolisch die Freiheit in Polen ihren Anfang nahm.

Bei der ersten Messe “in der Sprache des Herzens" waren Scharen von Menschen, obwohl diese in der Kaffeezeit, nämlich am Sonntag um 15.00 Uhr gefeiert wurde. Es ist schwer jemanden zu finden, der sich daran erinnern kann, dass er einen Platz in der Basilika selbst fand. Die meisten mussten auf dem Paradieshof, auf der Treppe oder noch weiter stehen.

Verschiedene Zeitzeugenaussagen verbinden drei Erinnerungsmomente: an eine große Gläubigermenge, an einen kräftigen Gesang, der die Menschen emotional vereinte, und an die Tränen der Rührung.

“Ich bin ein harter Mann" - erinnert sich Richard Urban, einer der Gründer der Organisation der deutschen Minderheit - “doch ich habe trotzdem Tränen geschluckt, als Pater Teophil uns vom Altar in der deutschen Sprache begrüßte. Die größte Rührung kam, als die Menge “Sankt Anna voll der Gnaden" sang".

Richard Urban erfuhr von der ersten Messe auf Deutsch vertraulich, durch Flüsterpropaganda. Bernard Kus aus Psurow hörte diese Nachricht offiziell, in der Kirche.

“Wir sind mit meiner Ehefrau gefahren", erinnert sich Herr Bernard. “Es verblüffte mich, dass bereits auf dem Parkplatz alle Deutsch sprachen, sogar zu den Kindern. Ich denke heute, dass es ein bisschen eine Manifestation war. Zumindest ein Teil dieser Kinder hat wohl nicht ganz verstanden, was die Eltern von ihnen wollten. Doch die Menschen hatten das Bedürfnis, ihre so lange Zeit verborgene Identität zu zeigen, und an einem heiligen Ort fühlten sie sich sicherer."

Damit die Gläubigen eine Messe “in der Sprache des Herzens" wagen konnten, musste zuerst ihr damaliger Bischof, Erzbischof Alfons Nossol, Mut zeigen. Zum Glück konnte er sich auf die höchstpersönliche Billigung des Papstes berufen. Zum Neujahr 1989 veröffentlichte Johannes Paul II. die Botschaft “Achtung der Minderheiten als Vorraussetzung des Friedens".

Die Pflicht zur Akzeptanz und die Sorge um die Vielfalt sei nicht nur eine Sache des Staates - schrieb darin der Papst - jedes Mitglied der menschlichen Familie sollte den Wert der Vielfalt unter den Menschen verstehen und respektieren und das gemeinsame Wohl anstreben. Eine offene und kluge Einstellung, die ein besseres Kennenlernen des kulturellen Erbes von Minderheiten ermöglichte, würde dazu beitragen, Haltungen, die auf Vorurteilen beruhen, zu beseitigen, denn sie erschwerten gesunde gesellschaftliche Verhältnisse.

“Als ich beim Papst zum Essen war, sagte ich ihm, dass dieses Dokument vom Geist des Evangeliums erfüllt ist", erinnerte sich nach Jahren Erzbischof Alfons Nossol. “Doch dieses Dokument in unserer Diözese einzuführen, wird nicht einfach sein, weil es die offizielle Anerkennung der deutschen Minderheit und die kirchliche Erlaubnis für das Feiern der heiligen Messe “in der Sprache des Herzens" bedeuten würde".

Darauf antwortete der heilige Vater: “Das stimmt, doch man muss endlich damit anfangen. Und es ist Deine Aufgabe, dass dort, am Sankt Annaberg und in seiner Umgebung, deutsche Gottesdienste stattfinden können".

Für die Idee des Oppelner Bischofs gab es damals keinen Enthusiasmus in den Reihen des polnischen Episkopats.

Ein Teil der Bischöfe befürchtete, dass auch andere Minderheiten nach Messen in ihren Sprachen fordern werden. Sie fanden es zu verfrüht.
Entscheidend erwies sich die Unterstützung des damaligen Primas von Polen, des Kardinals Józef Glemp. Es ist kein Geheimnis, dass im Gedächtnis der deutschen Minderheit seine Worte über die Nichtexistenz der Deutschen in Polen schmerzhaft in Erinnerung blieben. Aber in der Sache der deutschen Messen war die Hilfe des Primas wichtig.

“Um Mitternacht kam der Primas zu mir", erinnert sich Nossol. “Er sagte, dass es ihm leid tut, dass meine, und eigentlich die päpstliche Initiative ohne Echo blieb. Der heilige Vater ist eine Autorität, sagte er. Beginne also mit den heiligen Messen für die Minderheit, und wenn jemand danach fragen sollte, sag ihm, dass es mit mir abgesprochen ist. Er hat mir damals sehr geholfen".

Sogar mit einer solchen Unterstützung war die Sache gar nicht so selbstverständlich. Formell gab es ja noch die Volksrepublik Polen.

Der Guardian, der Franziskanerpater Dominik, befürchtete, dass die “traurige Herren" (d.h. der kommunistische Sicherheitsdienst) ihm vorwerfen werden, dass er die Oberschlesier germanisieren will. Daher bat er den Bischof um eine schriftliche Anordnung. Dieses Dokument zeigte er dann den Herren vom Amt für Glaubensbekenntnisse, die ihm Probleme machten. Und als sie immer wieder in die Kurie kamen, erklärte Erzbischof Nossol, dass es in der Vorkriegszeit am Sankt Annaberg polnische Gottesdienste für die polnische Minderheit gab. Die Tradition der zweisprachigen Seelsorge wurde zum Fakt.

“Wenn man uns nicht hinderte, so zahlreich an diesem Gottesdienst teilzunehmen, und nach einem lauten “Grosser Gott, wir loben Dich" uns niemand auf dem Rückweg niederzuknüppeln versuchte, haben wir die Überzeugung gewonnen, dass den Machthabern die Zähne gezogen wurden. Es stellte sich heraus, dass der 4. Juni 1989 der Durchbruch war und zwar sowohl für die polnische Mehrheit als auch für uns."

Das hat nicht gleich Allen gefallen. Die Besucher der deutschen Gottesdienste haben noch oft zu hören bekommen, dass sie gefärbte Füchse sind. Und als die Menschen aus der Basilika die Treppe hinunter stiegen, standen unweit dreißig junge kräftige Männer.

Sie schrien laut und rhythmisch: “Raus mit den Deutschen"! Alle fühlten sich etwas unwohl. Zum Glück blieb es nur bei den Parolen. Heute drohen den Besuchern der deutschen Gottesdienste keine feindseligen Parolen. Was nicht bedeutet, dass die deutsche Minderheit mit der Lage der Minderheitenseelsorge zufrieden ist.

“Es gibt seit Jahren keinen Durchbruch", meint der VdG-Vorsitzende Bernard Gaida. “Es gibt Orte, wo seit langer Zeit deutsche Messen zelebriert werden. Andernorts bitten wir um diese seit Jahren, ohne Erfolg.

Wir bedauern, dass trotz der päpstlichen Botschaft vor 25 Jahren und der Dokumente der Ersten Synode der Diözese Oppeln ein Teil der Priester in dem Bewusstsein geblieben ist, welches die Kirche in der Zeit der Republik Polen gehabt hatte. Sie war, ähnlich wie die staatlichen Machthaber, der Existenz der deutschen Minderheit abgeneigt."

“Als ich in der SKGD für die Angelegenheiten der Seelsorge zuständig war, sprach ich mit vielen Pfarrern", sagt Bruno Kosak. “Man hat mir sogar in kirchlichen Kreisen vorgeworfen, dass ich die Pfarrgemeinden visitiere. Ohne greifbare Ergebnisse.

Wir haben uns auch viel mehr von den Treffen mit Bischof Andrzej Czaja erhofft. Dabei hängt das meiste immer noch vom guten Willen des Pfarrers oder von seinem Unwillen ab. Wenn es den guten Willen gibt, sieht ein Pfarrer ohne schlesische Wurzeln den Sinn, eine deutsche Messe zu zelebrieren.

Wenn der gute Wille fehlt, stecken wir in einer Sackgasse. Natürlich muss es auch seitens des DFK Engagement geben. Doch der Zugang zur heiligen Messe liegt in der Verantwortung der Kirche und nicht der Minderheit."

Minderheitenseelsorger Pfarrer Dr. Piotr Tarlinski unterstreicht, dass nach 25 Jahren die Bilanz der Gottesdienste “in der Sprache des Herzens" positiv ist. “Diese Messen haben überdauert und haben den Prozess der Gründung von DFK-Ortsgruppen unterstützt, was unterschätzt und verschwiegen bleibt", sagt er.

“Die Unterstützung der Kirche für die Menschen des deutschen Kulturkreises seitens des ehemaligen und des jetzigen Bischofs ist unbestritten. Die Kirche trägt ständig zum Aufbau einer versöhnten Vielfalt in der Region und zum Wachsen der Akzeptanz der Minderheit durch die Mehrheit bei.

Pfarrer Tarlinski erinnert an die Rolle der zweisprachigen Gebetsbücher bei der Aufrechterhaltung der deutschen Identität. “Im Jahr 1997 hat man eine zweisprachige Version des “Wegs zum Himmel" herausgegeben, welche in mehreren Auflagen und zehntausenden Exemplaren unter die Gläubigen gelang. Ich möchte erinnern, dass zu Beginn der 1990er Jahre der Deutschunterricht in Pfarrsälen stattfand, was den Gläubigen das Gefühl der Sicherheit gab.

Mehr als 10.000 Menschen haben diese Möglichkeit genutzt. Mitte der 1990er Jahre hat man uns diese Möglichkeit genommen und die Lehr- und Arbeitsbücher musste man nach Gogolin zurückgeben.

Der Minderheitenseelsorger gesteht, dass an vielen Orten die Besucherzahl der deutschen Gottesdienste geschrumpft ist. Das hängt damit zusammen, dass die Generation ablebt, die die deutsche Sprache gut beherrscht. Menschen im Alter zwischen 40-60 Jahren können oft gar kein Deutsch. Die Jugend geht ins Ausland, es ist also schwer, für diese eine effiziente Katechese zu organisieren. Doch die Akzeptanz der deutschen Kultur wächst am Allgemeinen. Mit der Beteiligung der Kirche.

“Ich habe Beispiele von Orten, wo der DFK selbst den Wunsch äußert, die Anzahl der deutschen Messen zu begrenzen", fügt er hinzu. “Alle - die Geistliche und die Laien, die Mehrheit und die Minderheit, brauchen Bildung, weil diese die einen auf die anderen öffnet.

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