Der letzte deutsche Pfarrer von Cosel

    Der letzte deutsche Pfarrer von Cosel

    Joanna Rostropowicz

    Nowa Trybuna Opolska

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    Der letzte deutsche Pfarrer von Cosel
    Johannes Breitkopf blieb im Gedächtnis der Pfarrgemeindemitglieder als mutiger Priester und ein guter Organisator. 1945 musste er Cosel verlassen.
    Der letzte deutsche Pfarrer von Cosel
    Josef Gröger aus Heiligenstadt in Deutschland, ein ehemaliger Bewohner von Cosel, erforscht unermüdlich die Geschichte seiner kleinen Heimat.

    Er rettete vor Vergessenheit einige herausragende Persönlichkeiten, welche aus dem Coseler Kreis stammten und ergründete viele Geheimnisse der Geschichte von Cosel. In dem unlängst herausgegebenen vierten Band des Lexikons “Schlesier von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart" befinden sich mehrere Biographien aus seiner Feder über Coseler Persönlichkeiten.

    Darunter ist auch Pfarrer Johannes Breitkopf, ein mutiger, letzter deutsche Pfarrer der Stadt, den es sich lohnt vorzustellen.

    Er wurde am 12. September 1891 in Kostenthal im Kreis Cosel als Sohn von Theodor Breitkopf und Pauline geb. Grötschel geboren. Er absolvierte die Grundschule im Heimatdorf und das Gymnasium in Cosel. Dann studierte er Theologie an den Universitäten in Breslau und Münster.

    Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er als Soldat eingezogen und nahm dann als Reserveoffizier am Krieg gegen Frankreich teil. Mit einer schweren Verwundung, von der er sich nie ganz erholen konnte, geriet er in französische Gefangenschaft und kehrte erst 1920 nach Deutschland zurück.

    Nach dem Krieg setzte er das unterbrochene Theologiestudium an der Breslauer Universität fort und wurde am 23. April 1924 zum Priester geweiht. Seine erste Stelle war die Pfarrgemeinde in Liegnitz. Gleichzeitig unterrichtete er Religion am Mädchengymnasium.

    1929 wurde er Pfarrer in Groß Wartenberg und als 1932 der bisherige Pfarrer von Cosel Joseph Ferche zum Brelauser Domkapitular berufen wurde, übernahm Johannes Breitkopf die Pfarrgemeinde.

    Hier fand er den Ort und die Gemeinde die es ihm erlaubte, sich voll zu entfalten. Zu seinen Verdiensten gehört es, dass er auf liturgischem Gebiet Altes und Bewährtes förderte, aber auch Zeitgenössisches einführte.

    Als Organist und Chordirigent wurde der breit bekannte Professor Johannes Kobek engagiert. So konnte sich Cosel auf kirchenmusikalischem Gebiet in Oberschlesien einen Spitzenplatz sichern. Die Gestaltung der Hochämter an Festtagen bei denen lateinische Messen bedeutender Tonkünstler mit Chor und Orchester aufgeführt wurden. Bereits 1938 sendete der Reichssender Breslau wiederholt Orgelkonzerte aus der Pfarrkirche in Cosel.

    Mit großer Feinfühlichkeit ging er an die weitere Ausgestaltung der Pfarrkirche. Die Besucher der Coseler Pfarrkirche überrascht bis heute die einmalige Zusammenstellung der Fenster im Presbyterium mit dem vom Professor Plontke entworfenen Hauptaltar, welcher mir versilberten Reliefs mit Motiven aus dem Alten und Neuen Testament verziert sind.

    Das zum Altar gehörende, von der Firma Adolph angefertigte Kruzifix wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert. Es wurde dort mit einer Ehrenpreis ausgezeichnet. Leider, ist das Kreuz nach 1945 nicht mehr nach Cosel zurückgekehrt. Inspiriert von Pfarrer J. Breitkopf entstand auch ein modernes Marienaltar in der Werkstatt von Georg Johann Lang, einem Künstler aus Oberammergau; dort befindet sich ein Muttergottesbild.

    Die Künstler Lang und Plontke sollten noch einen Herz-Jesu-Altar als Flügelaltar neu schaffen. Professor Plontke hat zwar die bestellten Bilder angefertigt, diese haben Cosel sogar vor Kriegsende erreicht, doch das Projekt konnte man nicht mehr realisiert werden. Sie wurden im neuen Altarkorpus eingefügt sowie eine moderne Mariendarstellung; eine Arbeit des Coseler Kunsterziehers Leo Loch konnte auf der Ostseite der Marienkapelle Aufstellung finden.

    Mit dem Bau des Küster- und Organistenhauses, das architektonisch mit der für diese Zeit und für dieses Gebiet einmaligen Freskomalerei gestaltet wurde, ist ein bleibendes Denkmal geschaffen worden, das an das Wirken von Johannes Breitkopf erinnert.

    Da der Standort des Hauses nicht weit von der Oder entfernt war, ziert die Giebelseite eine lebensgroße Darstellung des hl. Christophorus, das Eingangsportal schmückt ein Wappen das auf die Verwendung des Hauses hinweist. Fünf Orgelpfeifen, verbunden mit einem Schmuckband und der Aufschrift “Anno 1938" daneben links und rechts jeweils zwei gekreuzte Schlüssel und darunter in Notenschrift der Anfang des “Te Deum laudamus".

    Auch die weitere Ausgestaltung der 1929 wieder eingeweihten Minoritenkirche, lag Breitkopf sehr am Herzen. So konnte 1936 eine Konzertorgel eingebaut werden. Eine Oberammergauer Weihnachtskrippe des Künstlers Georg Johann Lang und ein im letzten Kriegsjahr noch geschaffener Kreuzweg ergänzten die Einrichtung dieses barocken Kleinods in Cosel.

    Seine Bemühungen für die Ortsteile Cosel-Rogau und Fischerei ein Gotteshaus zu errichten, verhinderten die staatlichen Organe in dem sie das vorgesehene Grundstück beschlagnahmten und es für militärische Zwecke nutzten.

    Pfarrer Breitkopf wurde von seiner Gemeinde voll akzeptiert, auch wenn er mitunter etwas spröde wirkte. Er wurde vor allem geschätzt, weil er seinen Idealen treu blieb. In der schlimmsten Nazizeit, als der Gebrauch der polnischen Sprache ein Schlesien strengstens verboten war, hatte er keine Angst in Polnisch zu predigen.

    Als Oberschlesier war er nämlich zweisprachig und für ihn war es kein Problem beide Sprachen abwechselnd zu sprechen. Darüber hinaus sprach er Französisch, in der französischen Gefangenschaft lernte er diese Sprache. Gelegenheit ergab sich als nach Cosel-Hafen französische Kriegsgefangene gelangten.

    Er ging zu ihnen um den Gottesdienst zu feiern und hat für die Gefangenen in ihrer Muttersprache gepredigt und persönliche Gespräche geführt, obwohl es nicht erlaubt war. Kein Wunder, dass dies der Gestapo missfiel. Man drohte ihm mit dem Kanzelverbot. Man untersagte ihm die Durchführung des Religionsunterrichts in den staatlichen Schulgebäuden und verbot ihm alle baulichen Tätigkeiten an den Kirchen.

    Er ließ sich nicht einschüchtern. Es ist ihm in den Kriegsjahren gelungen einmal in Monat in der Minoritenkirche einen Gottesdienst mit einem unierten Geistlichen für Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine, welche in der Rüstungsindustrie und Landwirtschaft eingesetzt wurden, durchzuführen.

    Als Mitte Januar 1945 das russische Militär vor der Stadt stand, blieb Pfarrer Breitkopf bei seinen Angehörigen der Pfarrgemeinde. Er durchlebte mit ihnen die Apokalypse der Eroberung der Stadt durch die sowjetischen Truppen und anschließend das Inferno, als mit brachialer Gewalt die Polonisierungswelle herein brach.

    Er trat wieder auf die Seite der Unterdrückten. Er protestierte gegen die Ermordung unschuldiger Zivilisten, half den Verfolgten, verteidigte die Gerechtigkeit. Sein Eintreten für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, seine Hilfe für Verfolgte und sein Protest gegen den Mord unschuldiger Menschen durch Angehörige paramilitärischer Gruppen, machten in zur unerwünschten Person. Am 20. Oktober 1945 wurde er von der Miliz verhaftet. Drei Tage später wurde er mit tausend Angehörigen der Pfarrgemeinde, jeglicher Habe beraubt, zum Bahnhof getrieben. Dort wurden alle in abgedeckten Güterwaagen gepackt.

    Zwei Tage standen die Waggons auf dem Nebengleis, bevor der Zug mit den Vertriebenen losfuhr. Der Transport erreichte Ostdeutschland. Pfarrer Johannes Breitkopf kam in die Diözese Meissen. Im Dezember 1945 stellte er sich für den Seelsorgeeinsatz zur Verfügung. Vom 28. Januar bis zum 30. April 1946 arbeitete er in Glashütt und ab dem 1. Mai in dem Seelsorgebezirk in Wilthen.

    Bald musste er feststellen, dass seine Kräfte erlahmten. Die Krankenhausbehandlung hat nur für kurze Zeit seinen Gesund-heitszustand verbessert. Anfang Januar 1953, während er an einer Priestertagung in Berlin teilnahm, erlitt er einen Herzanfall und starb kurz darauf im Krankenhaus. Pfarrer Johannes Breitkopf, der letzte deutsche Pfarrer von Cosel fand seine letzte Ruhestätte auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin.

    Quelle: Schlesier von frühesten Zeiten bis zur Gegenwart, Band IV, Redaktion J. Rostropowicz, Lubowitz-Oppeln 2013, Seite 35-39.

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