Deutsche Studenten in Polen fechten nicht miteinander

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
VDH Opole
Vom Freitag bis Sonntag haben Mitglieder des Vereins deutscher Hochschüler (VdH) ihr Gründungsfest gefeiert. Dabei waren auch Gäste aus Deutschland und Ungarn.

Der VDH wirkt im Oppelner Land seit 13 Jahren. Seit drei Jahren ist Chronstau der Ort, an dem das Frühlingstreffen der Studenten stattfindet (den Verein gibt es sowohl in Oppeln als auch in Ratibor, in dem der VdH vier Jahre früher als in Oppeln gegründet wurde).

An der Spitze der deutschen Studenten steht als Senior Sebastian Kampa, Student an der Fakultät Ingenieurwesen / Produktion und Logistik an der Technischen Hochschule in Oppeln. Die Organisation der Absolventen leitet seit vergangenem Freitag sein ein Jahr älterer Bruder Robert, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften.

- Am Freitag haben wir uns zu einem Begrüßungsball getroffen - erzählen die Brüder. - Gemeinsam mit uns feierten Gäste aus Deutschland (u.a. aus Berlin und aus Freiberg in Sachsen) und aus Budapest. Insgesamt waren es mehr als 40 Personen. Trotz der Tradition mancher Studentenverbindungen vereinen wir in unseren Reihen sowohl Männer als auch Frauen.

Der Samstag ist traditionell der Tag an dem der Vorstand des VdH seine Sitzung abhält. Trotz des Regens sind die deutschen Studenten nach Oppeln gefahren und haben dort eine Schifffahrt unternommen. Der Kapitän erzählte von der Stadt, der Seeschifffahrt auf der Oder und seinem Schiff, dessen Rumpf fast einhundert Jahre alt ist. Am Abend fand eine feierliche Burschenschaftsfeier statt. Dieses offizielle Feierlichkeitsritual war eine Gelegenheit, dass die leitenden Vereinspersonen ihre traditionelle Tracht anziehen.

- In dieser besonders feierlichen Kleidung präsentierten sich zwei Personen aus Budapest, zwei aus Freiberg und zwei aus Oppeln - berichtet Sebastian Kampa. - Wir haben unsere traditionellen Farben: schwarz-gelb-blau. Schwarz knüpft die industrielle Symbolik des oberschlesischen Industriegebiets an, die übrigen Farben stehen einfach für Oberschlesien.

Auf der akademischen Mütze, dem sogenannten Deckel, befindet sich neben den Farben das Zirkelsymbol - gebaut nach den Regeln der Heraldik - welcher an die napoleonische Zeit erinnert (Napoleon hat den deutschen Studenten verboten, Korporationsverbände zu gründen).
Ein Bestandteil der Tracht ist auch ein Degen. In Deutschland gibt es noch sogenannte schlagende Studentenverbindungen, deren Mitglieder miteinander fechten und die Wettkämpfe sogar eine Bedingung sind, um in die Organisation aufgenommen zu werden. Der Oppelner VdH gehört nicht zu den schlagenden Verbindungen. Die feierliche Kleidung besteht neben dem Deckel aus einer Pekesche, also einer Uniformjacke nach dem Muster der Husarenuniform, einer weißen Hose und langen Stiefeln.

- Eine solche festliche Tracht kann man sich bei einem besonderen Schneider in Deutschland anfertigen lassen - so Robert Kampa. „Doch es ist nichts für die Geldtasche eines Studenten in Polen, daher haben wir unsere Festtrachten über ältere Kollegen in Malapane bestellt. Eine dortige Schneiderin hat uns diese nach dem Dresdener Muster genäht.

Deutliche oberschlesische Akzente sind auch im Wappen des VdH zu erkennen. Neben einem Zirkel und einem Eichenkranz mit dem Gründungsdatum (24. Mai 2013) fanden sich dort ein Symbol von Oppeln (ein halbes Kreuz und ein halber Adler) sowie ein Adler mit Spitzhacken ein. Das ganze rundet die Umschrift „Heimat, Freundschaft, Wissenschaft“ ab.

Zur Tradition der Burschenschaftsfeier gehört ein Vortrag eines eingeladenen Gastes. Dieses Jahr hielt diesen Wolfhart Klie aus Braunschweig. Als Rentner hat er sich seinen Traum erfüllt, Deutsch im Ausland zu unterrichten. Er wählte für sich das Lyzeum in Ratibor aus. In Oberschlesien gefiel es ihm so sehr, dass er nach zwei Jahren Vertragsarbeit jedes Wochenende hierher kam, um seine Abiturienten ein weiteres Jahr unentgeltlich zu unterrichten.

- Professor Klie sprach zu fast fünfzig Personen über die aktuelle Lage in Europa. Er beschrieb die Probleme auf unserem Kontinent von der Wirtschaftskrise in Griechenland bis zu den letzten Terroranschlägen in Brüssel und Paris - sagt Sebastian Kampa. - Von diesen schwierigen Erfahrungen ausgehend, versuchte er zu überzeugen, dass die Idee der Europäischen Union weiterhin wichtig ist, die EU an sich erforderlich und deren Kohärenz es zu erhalten gilt.

Beide Führungspersonen des VdH haben keinen Zweifel daran, dass ein deutscher Student zu sein ein Grund ist, stolz zu sein und dass diese Tatsache zu keiner Stigmatisierung oder negativen Reaktionen unter den polnischen Kommilitonen führt.

- Ich habe das schon immer offen gesagt, also haben in meinem Studienjahrgang alle Mitkommilitonen gewusst, dass ein Deutscher und ein engagiertes Mitglied einer deutschen Studenten-verbindung bin - sagt Robert. - Wann ich belächelt wurde oder es irgendwelche Kommentare mit Bezug auf meine Person gab, dann lediglich solche im Kontext von Sportereignissen. Sonst habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht.

Robert Kampa unterstreicht, dass er an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Oppelner Uni seine Abschlussarbeiten (Bachelor- und Magisterarbeit) in Deutsch schreiben konnte und zwar bei einem Professor aus Potsdam, der an der Oppelner Uni Statistik und Ökonometrie lehrte. Auf Deutsch konnte er auch seine Arbeiten verteidigen.
In Oppeln zählt der Verein derzeit zwölf Studenten, d.h. aktive Burschen. Dabei ist die Germanistik nicht die Fakultät, von der die VdH-Studenten stammen. Die meisten Studenten des Vereins studieren derzeit an der Oppelner Technischen Hochschule. Drei Personen sind sogenannte Füchse, also Kandidaten. (Das „Fuchs-Sein“ dauert ein Jahr lang, damit man die Tradition der Studentenverbindung kennenlernen kann, was am Ende des Jahres durch eine besondere Prüfung bestätigt werden muss). Da man ein Vereinsmitglied für sein ganzes Leben lang wird, sind die Senioren (Uni-Absolventen) eine wichtige Gruppe innerhalb der Verbindung, sie heißen - nach der deutschsprachigen Tradition - Hohe Damen und Alte Herren.

- Wir fahren oft nach Deutschland, wir haben bereits eine Einladung für Mai 2016 nach Freiberg erhalten -sagen die Brüder. - Doch in allen Studentenverbindungen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben wir auch private und freundschaftliche Kontakte geknüpft. Wir bemühen uns die Sprache zu pflegen, veranstalten Vorträge in deutscher Sprache. Sehr interessant war z.B. ein Vortrag über die zu Beginn des 20. Jahrhunderts populäre Tradition des Pfeifenrauchens im Studentenkreis. Unser Referent aus München hat uns nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis des Pfeifenrauchens nahe gebracht. Er war das erste Mal in Polen und dermaßen begeistert, dass wir die Tradition der deutschen Studentenverbindungen pflegen, dass er jedem von uns eine Pfeife geschenkt hat.

- Dank der Zugehörigkeit zum Verein deutscher Hochschüler kann man wirklich seine Horizonte erweitern - sagt Sebastian. - Wir lernen z.B. interessante und wichtige Menschen außerhalb der eigenen Hochschule und Region kennen. Wir erkunden die Welt. Und wir lernen die Sprache sehr gründlich. Auch dadurch, dass alle Veranstaltungen bei uns in Deutsch abgehalten werden. Selbst wenn jemand beim Eintritt in den VdH die Sprache nur schwach beherrscht, steigert er sich „automatisch” durch den Kontakt mit den Deutschen und den Ungarn. Ganz einfach. Denn jeder weiß, dass es in dieser Gruppe keine andere Alternative gibt.

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