Die Oberschlesische Tragödie in Erinnerungen von Zeitzeugen

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
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In der Caritas-Bibliothek haben Krista Slotta, Maria Jagło und Maria Kutz darüber gesprochen, wie sie den Einmarsch der Roten Armee erlebt hatten. Während der Front waren sie Kinder.

Das vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit organisierte Treffen ergänzte die Feierlichkeiten anlässlich der Einweihung der Gedenktafel für die Oberschlesische Tragödie in der Oppelner Kathedrale.

Zuerst schilderte ihre Erlebnisse die aus Brinitz stammende und in Kupp lebende Krista Slotta. Im Jahr 1945 war sie sechs Jahre alt.

„Der erste Sowjetsoldat kam in unser Haus am Abend des 20. Januar. Wir saßen an einer Karbidlampe und haben Rosenkranz gebetet. Er war etwa 20 Jahre alt. Er machte staunend den Mund weit auf, doch er winkte dann mit der Hand und verließ das Haus. Die Panzer kamen einige Tage später. Wenn die Russen irgendwo Familienbilder fanden, auf denen Männer in deutschen Uniformen waren, haben sie die Hausbewohner ermordet. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter die Schublade geöffnet hat, die Fotos herausholte und dann alle diese Andenken im Ofen verbrannte.

Frau Krista erzählte, dass ihr Vater in das Lager nach Lamsdorf kam.

„Die Männer wurden vor der Kirche versammelt“, sagte sie. „Es waren etwa vier Tausend. Der Pfarrer segnete sie noch und sie wurden weggebracht. Der Vater arbeitete in der Arbeitskolonne an der Oder. Er reparierte Boote. Er wurde nach Hause entlassen, als er an Typhus erkrankte. Die Leute, die ihn festhielten, hatten wohl Angst sich anzustecken. Als er unrasiert zurückkehrte, habe ich ihn nicht wieder erkannt.”

Die Familie von Frau Krista war auch von der Gefangennahme betroffen. In den Hof fuhr ein Lastwagen vor und man verschleppte sechs Familien nach Oppeln. Wir wurden in einem Keller gegenüber der Peter und Paul-Kirche festgehalten. Meine Mutter musste in einer Küche arbeiten und ich habe die Welt nur durch ein Kellerfenster betrachtet. Als wir morgens frei gelassen wurden, suchten wir nach Gemüseabfällen. Nach einigen Tagen hat mich meine Tante von dort nach Luboschütz mitgenommen, sie war Hebamme. (...)“.

In der Kindheitserinnerung blieben Gewalttaten, welche die Sowjets verübt haben.

„Der Nachbar war Förster, er trug eine Försteruniform“, erzählt Frau Slotta. „Er sprach Deutsch. Die Russen haben ihn erschossen, aufs Stroh gelegt und seine Leiche entzündet. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Als wir nach Hause zurückkehrten, war unsere Scheune abgebrannt, weil sich dort Mädchen versteckt haben, um sich so vor Vergewaltigungen zu schützen. Sie haben sich mit Petroleum eingeschmiert, um zu stinken und sich weniger attraktiv zu machen. Es hat nichts gebracht. Aus diesen Vergewaltigungen sind viele Kinder zur Welt gekommen. Als die Männer aus dem Krieg zurückkehrten, wollten sie diese Kinder nicht anerkennen. Deswegen war viel Zwietracht in den Familien. Pfarrer Janota, derselbe, der unsere Väter gesegnet hat, bevor sie nach Lamsdorf mussten, versuchte die Mädchen zu retten. Die Sowjets haben ihm die Kehle durchgeschnitten und erschossen. Wir haben das alles als Kinder miterlebt.”

Aus der Perspektive eines neunjährigen Kindes schilderte Maria Jagło den Einmarsch der Roten Armee in Boguschütz.

„Die ersten zwei Russen, die wir gesehen haben, waren jung und gut gebaut”, sagt Frau Maria. „Sie wollten essen. Meine Mutter hat sie nicht gut verstanden. Sie zeigten, was sie wollen. Sie hat Essen für sie vorbereitet und kochte Tee für sie. Sie bedankten sich und sind gegangen. Nach einiger Zeit erfolgte der deutsche Gegenangriff und die Russen wurden zurückgeworfen. Deutsche Soldaten kamen wieder ins Dorf. Die Frontlinie wechselte so einige Male. Am Abend waren die Russen wieder stärker, die Deutschen wurden aus dem Dorf geworfen. Wir saßen im Keller, 22 Personen, vorwiegend Frauen. Dort war auch mein Vater. Die Russen fühlten sich sehr sicher. Sie waren betrunken im Dorf unterwegs. 280 Personen wurden erschossen. Nicht nur Männer. Es wurden sogar Jungen im Alter von 11-12 Jahren erschossen. Anscheinend hatten die Russen einen Befehl erhalten, dass sie auf Zivilisten schießen können. Diese Schießerei dauerte ganze drei Tage lang.”

Frau Maria kann sich gut daran erinnern, dass viele Menschen kamen, um zu fragen, ob sie in ihrem Keller Unterschlupf finden können. Einer davon war der 12-jährige Junge mit dem Namen Rudolf. Er weinte, weil er seine Eltern verloren hat.

„Der Vater hat ihm vorgeschlagen, dass er bei uns bleibt und hier auf sie wartet“, erzählte Maria Jagło. „Er wollte nicht bleiben und entschloss sich weiter nach ihnen zu suchen. Er ist zusammen mit der Familie Lubczyk umgekommen. Männer und Jungen sind eigentlich alle umgekommen. Der Pfarrer wurde auch erschossen. Das Dorf wurde im Grunde gänzlich niedergebrannt. Mein Vater war eine Ausnahme. Er ist am Leben geblieben. Bald wurde er nach Russland verschleppt. Er kehrte 1946 abgemagert, geschwächt und im schlechten gesundheitlichen Zustand zurück.”

Frau Maria Kutz hat auch in Boguschütz die Oberschlesische Tragödie erlebt. Sie war damals 7 Jahre alt. Das Schicksal vom Januar 1945 teilte sie mit ihrer vierjährigen Schwester.

„Meine Mutter fuhr uns mit einem Schlitten zu ihrer Schwester nach Boguschütz“, erzählt sie. „Insgesamt haben sich dort 13 Personen versteckt, darunter vier Kinder. Die Sowjets waren unterwegs und suchten nach „Germanen”. Einer wollte Vodka. Die Tante hat verstanden, dass er Wasser will und hat ihm Wasser gereicht. Er wurde zornig und hat sie sehr geschlagen.”

„Eines Tages kamen drei Russen. Sie haben uns befohlen den Keller zu verlassen”, fährt Frau Maria ihre Erzählung fort. „Ich habe mich am Rock meiner Mutter gehalten und ging mit ihr raus, doch der Russe schubste mich zurück in den Keller. Ich sah, wie mein Onkel - er ist über 50 Jahre alt gewesen - seine goldene Uhr abnimmt und meine Mutter ihren Ehering abgibt, weil sie nach Gold verlangten. Der sowjetische Soldat hatte ein Bajonett auf seinem Gewehr. Er schrie und zündete den Keller an. Ich drängte mich sehr vor und führte die jüngeren Kinder heraus. Das Haus und die Scheune brannten. Ich dachte, dass meine Mutter sich irgendwo versteckt hat. Dass die Erwachsenen geflohen sind und uns Kinder verlassen haben. Um uns herum war alles abgebrannt. Ich erblickte eine bekannte Frau. Ich fragte, ob sie unsere Mutter gesehen hat. Sie hat sie aber nicht gesehen. Wir überquerten die Strasse und sie führte uns in den Keller. Sie haben uns zum Essen gegeben.”

Frau Maria erinnert sich, dass es nicht gelungen ist, die Mutter zu finden. Sie nahm ihre kleine Schwester an die Hand und sie gingen zu Fuß zu ihrem Opa nach Zlönitz.

„Die Menschen auf dem Weg fragten, warum wir alleine unterwegs sind. Wir erklärten, dass wir unsere Mutter suchen“, erinnerte sie sich. „Mein Opa war 73. Er weinte sehr. Er entschied, dass wir unsere Mutter weiter suchen müssen. Ich konnte nicht mehr weinen, ich verspürte nur noch Druck im Brustkorb. Er fand ihre Leiche in der Waschküche. Es gab dort mehrere Leichen. Auf dem Wagen haben wir sie zum Friedhof gebracht“, berichtet sie weinend.

Das war nicht das Ende der Familientragödie. Opa ist leider auch umgekommen, fiel einer Panzermine zum Opfer (gemeinsam mit einem Nachbarn fuhren sie aufs Feld und gerieten auf die Mine). Frau Maria und ihre Schwester sollten in ein Waisenheim kommen.

„Ich habe sehr gebetet, damit unser Vater aus Russland zurückkehrt. Zum Glück hat Gott meine Gebete erhört. Mein Vater ist heimgekehrt. Ich hatte wieder ein Zuhause”.

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