Die Sprache, in der ich denke, ist meine Muttersprache

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Die Verbesserung der Qualität des Schulwesens bleibt unsere Priorität im kommenden Jahr - sagt Bernard Gaida, Vorstandsvorsitzender des VdG.

- Vor zwei Tagen begann das neue Schuljahr. Wird es für die deutsche Minderheit einen Durchbruch im Bereich Bildung und Zweisprachigkeit bedeuten?
- Hoffentlich ja. Wir beabsichtigen das fortzusetzen, was wir am deutsch-polnischen runden Tisch besprochen haben. Wir haben den Expertenbericht der EU-Kommission stets vor Augen. Dieser zeigt, wieviel noch zu tun ist, um die Europäische Sprachencharta in Polen umzusetzen. Vertreter des polnischen Bildungsministeriums haben uns unlängst in Gesprächen darin bestätigt, dass sie entschlossen sind die Bestimmungen dieser Charta zu erfüllen. Dies muss nicht bedeuten, dass die Zahl der Schulen sofort rasant wächst. Doch diese organisatorischen und rechtlichen Änderungen werden den Weg zur Gründung von zweisprachigen Schulen erweitern. In Zukunft können Einrichtungen mit Deutsch als Unterrichtssprache entstehen. Wir rechnen mit einem solchen Durchbruch.

- Wieviele Schüler lernen derzeit Deutsch als Minderheitensprache?
- Laut Angaben des Kuratoriums wurde Deutsch als Minderheitensprache im vergangenen Jahr (die Zahlen von diesem Jahr werden im November bekannt gegeben) in der Woiwodschaft Oppeln in 148 Kindergärten, 196 Grundschulen und 57 Gymnasien unterrichtet. Insgesamt haben 27.484 Schüler einen solchen Unterricht besucht. In der Woiwodschaft Schlesien wird in 111 Schulen für 8048 Schüler Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet. In der Woiwodschaft Ermland-Masuren gibt es solchen Unterricht in einem Kindergarten, 7 Grundschulen und 3 Gymnasien.

- Diese Zahlen sehen imposant aus.
- Ja, aber es handelt sich hierbei um drei Unterrichtsstunden wöchentlich. Ausländische Journalisten machen oft einen Fehler und schreiben, dass es so viele deutschsprachige Bildungseinrichtungen gibt. Dabei handelt es sich um völlig was anderes.

- In dem Dokument, welches anlässlich des neuen Schuljahres auf der Seite des VdG veröffentlicht wurde schreiben Sie: Die Minderheit schreitet in das neue Schuljahr mit noch größeren Erwartungen als bisher. Manch einer wird sagen, dass die deutsche Minderheit nie genug bekommen kann.
- Dieses ständige darauf achten, was andere über uns sagen, gab es bisher mehr als genug. Dabei haben das Problem eher jene, die so denken und nicht die Minderheit. Umso mehr, da uns seitens der Regierung eher vorgeworfen wurde, dass wir unsere Erwartungen nicht formulieren. Es ist also an der Zeit, um diese auszusprechen. Warum wachsen unsere Erwartungen? Als im Oppelner Land drei Deutschunterrichtsstunden wöchentlich im Unterrichtsplan eingeführt wurden, war es ein Erfolg. Doch heute ist Europa viel weiter gegangen. In Elsass-Lothringen, wo noch vor 10 Jahren der Deutschunterricht erschwert wurde, funktionieren heute über 200 zweisprachige Schulen. Daher haben wir auch das Recht unsere Erwartungen zu ändern.

- Vielleicht gibt es bei uns keine Schule mit Deutsch als Unterrichtssprache, weil es danach keinen Bedarf gibt?
- Sie wissen genau, dass durchaus der Bedarf besteht. Wenn wir solche Schulen vor 20 Jahren gegründet hätten, wäre die Lage heute völlig anders. Geschweige davon, dass wir sie in den 1950er Jahren nicht gründen durften. Drehen wir das Problem nicht um. Belasten wir die heutige Schülergeneration nicht mit den Auswirkungen jener Verbote und Unmöglichkeiten. Wir wissen, dass es viel nachzuholen gibt. Der zweisprachige Unterricht, den wir fordern, ist nicht die Umsetzung der europäischen Sprachencharta, sondern eine Etappe auf dem Weg dahin. Die Charta handelt von dem Unterricht in der Minderheitensprache. Vielleicht ist diese Evolution: Zuerst drei Stunden Deutschunterricht, dann Zweisprachigkeit und in Zukunft Schulen mit Deutsch als Unterrichtssprache der einzige mögliche Weg nach den Erfahrungen aus der Zeit der Volksrepublik Polen. Es ist wichtig, dass weitere Phasen nicht so lange dauern, wie bisher.

- Die Führungskräfte der deutschen Minderheit erinnern ständig an die Vorzüge der Zweisprachigkeit und viele Eltern, auch jene aus den Reihen des Deutschen Freundschaftskreises fürchten immer noch, ob ihre Kinder das schaffen...
- Das kommt daher, dass wir mit einem recht traditionell gestalteten Schulwesen zu tun haben, bei dem nicht experimentiert wird. Eltern, die traditionelle Schulen, ohne Zweisprachigkeit absolviert haben, fürchten sich vor Veränderungen und eigenartigen Experimenten an ihren Kindern. Das ist ein breiteres Problem. Zweisprachigkeit in Polen, nicht nur in den Reihen der deutschen Minderheit, ist im Vergleich mit anderen Ländern Europas schwach ausgeprägt. In geringerem Ausmaß als im Westen werden bei uns auch Fremdsprachen unterrichtet. Wenn Menschen keine Erfahrung mit der Zweisprachigkeit haben, können sie sich davor fürchten. Wir als Minderheit verfügen über ein paar Einrichtungen, die beweisen, dass Zweisprachigkeit möglich und methodologisch freundlich ist, wie z.B. die Schule in Raschau. Aber es ist immer noch zu wenig.

- So schlecht steht es wohl um die Zweisprachigkeit in Polen nicht. Die Generation der Schüler der Mittelschulen und Studenten spricht allgemein gut und ohne Bedenken Englisch. Vielleicht gibt es nur das Problem mit der deutschen Sprache?
- Ich sehe das nicht so optimistisch. Diejenigen, die gut Englisch beherrschen, haben es fast immer in Rahmen von privaten Kursen und Sprachschulen erlernt. Wer Englisch nur aus der Schule kennt, hat meistens schwache Kenntnisse. Für uns ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass man den Deutschunterricht, auch zweisprachigen, möglichst schnell anzufangen, vom Kindergarten, als die Kinder die Sprache natürlich und mit Leichtigkeit lernen, anbieten muss.

- Ein paar neue zweisprachige Einrichtungen starteten schon im September.
- Und das ist ein Grund zur Freude. Ich Chrosczütz und in Groß Strehlitz gibt es Gymnasien mit zweisprachigen Abteilungen, in Konty und in Groschowitz starten Kindergärten mit zweisprachigen Abteilungen und in Dembio eine Grundschule mit einer zweisprachigen Abteilung. In Cosel-Rogau entstand eine neue Vereinsschule mit zweisprachigem Unterricht.
- Wird es nächstes Jahr mehr solche Schulen geben?
- Wir haben die Chance, weil das Problem des Minderheitenschulwesens endlich zum Thema von Alltagsgesprächen wurde. Die Atmosphäre um dieses Thema hat sich geändert. Die Folge sind und werden hoffentlich Erleichterungen bei der Gründung von zweisprachigen Schulen. Das Schulsystem ist von großer Bewegungslosigkeit geprägt, also ändert sich das nicht schnell, aber auf eine Richtung wurde hingewiesen. An vielen Orten laufen Gespräche mit Kommunen und Schulleitern. Laut dem Beschluss der Jahresversammlung der SKGD wird die Minderheit Treffen mit Eltern von Kindergartenkindern und Eltern organisieren und die Vorzüge der Zweisprachigkeit aufzeigen. Diese Arbeit mit den Eltern ist entscheidend, weil sie letztendlich entscheiden, wie die Schule wird und wie ihre Kinder die Minderheitensprache erlernen können.

- Es starten demnächst wieder Samstagskurse...
- Die Samstagskurse sind sehr wertvoll, aber es ist dennoch ein Ersatz für die fehlenden Schulen und Grundschulen. Diese Kurse umfassen insgesamt etwa ein tausend Familien und das ist einerseits viel, andererseits wenig. Es ist mit Sicherheit nicht ausreichend, damit Deutsch zur zweiten Muttersprache wird.

- Kann man denn zwei Muttersprachen haben?
- Methodiker versichern, dass neben der Muttersprache eine zweite, nahe gelegene Sprache agieren kann, also solche die man nicht nur spricht (wie bei einer Fremdsprache), aber in der man auch denkt. Dort, wo in Europa Minderheiten leben, werden für gewöhnlich zwei Sprachen als Muttersprachen gebraucht. Deutsche in Südtirol beherrschen genauso geschickt die italienische Amtssprache, als das von Zuhause gesprochene Deutsch. Darin gibt es keinen Widerspruch.
Tłum. ELF

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