Die Zementstadt Oppeln

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Gestern und heute. lm Bewußtsein von Historikern und gewöhnlichen Bürgern ist das Wissen darüber, dass sich Oppeln bereits nach dem Krieg 1871 rasch entwickelt hat, kaum vorhanden.
Friedrich Wilhelm Grundmann

Friedrich Wilhelm Grundmann

Über die Geschichte der Stadt und die hiesigen deutschen und jüdischen Industriellen wissen wir immer noch wenig, zu wenig. An unseren Schulen wird Geschichte so unterrichtet, als ob wir alle in Warschau und dessen Umgebung leben würden. Ein Schüler erfährt also recht viel über die Aufstände gegen das zaristische Russland im Kongresspolen, aber wird nichts davon erfahren, dass ungefähr zur gleichen Zeit im recht kleinen Oppeln die erste Zementfabrik in Schlesien entstanden ist, in der auf der Basis des hierzulande vorkommenden Margels Portlandzement produziert wurde. Jene Portland-Zementwerke gründete im Jahr 1857 Friedrich Wilhelm Grundmann.

Der in Berthelsdorf bei Hirschberg geborene Grundmann kam als Kind mit seinem Vater nach Oberschlesien, nach Tarnowitz. Er war u. a. Steiger in der dortigen Friedrichsgrube und unterrichtete an der Bergbauschule. Seit 1839 verwaltete er die Kattowitzer Güter der Familie Thiele-Winckler. Grundmann war Mitautor des Ausbauskonzepts, das die Entwicklung des Dorfes Kattowitz in eine Industriestadt zur Folge hatte. Er bemühte sich auch erfolgreich um die Stadtrechte für Kattowitz.

Nach den Portland-Zementwerken entstanden weitere Zementwerke in Oppeln und bestimmten über ein Jahrhundert lang über die industrielle Entwicklung der Stadt. Man kann mit Recht sagen, dass Oppeln damals eine Zementstadt war.
Im Jahr 1865 erbaute der jüdische Industrielle Heymann Pringsheim, der Besitzer der städtischen Brauerei, das zweite Zementwerk in Oppeln. Dieses stand an der Stelle des gegenwärtigen Unternehmens Ovita Nutricia in der ul. Marka z Jemielnicy. 1871 entstand das Zementwerk in Groschowitz, und ein Jahr später ein weiteres in der Nähe von Sakrau (der Vorgänger des heutigen Odra-Zementwerks). Eine weitere Zementfabrik in Oppeln war das Zementwerk Giesel in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in der Nähe von Oppeln weitere Zementwerke, Bolko in Königlich Neudorf, Silesia und Stadt Oppeln (später Piast). Bis zum Jahr 1908 waren in der Stadt und Umgebung etwa acht Zementwerke in Betrieb.

Über die Industriepioniere in Oppeln ebenso über wichtige Deutsche der Stadtgeschichte ist leider recht wenig bekannt. In der Zeit der Volksrepublik Polen haben sich Historiker mit Verdiensten von Deutschen oder deutschen Juden nicht befasst. Da es sich von Grundmann nicht als von einem Polen schreiben ließ, wurde über ihn gar nichts geschrieben. Dabei ist er eine Persönlichkeit, der man in Oppeln ein Denkmal oder wenigstens eine Gedenktafel setzen sollte, weil er einen Industriezweig in der Stadt entwickelt hatte, der bis heute funktioniert.

Die Zementkonjunktur dauerte bis 1930, bis zu der großen Wirtschaftskrise, an. Damals gab es keine Investitionen in der Zementindustrie mehr, der Bedarf nach Zement sank aufs Minimum, Arbeiter mussten entlassen und die Zementwerke geschlossen werden. Für einige Jahre - bis zur neuen Konjunktur - war Oppeln beinahe bankrott.

Die alten Zementwerke waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb. So ging es bis in die 1970er Jahre hinein, als der Bedarf nach Zement stoppte.
Erwähnenswert ist, dass sich die Industrie in der Region im Rahmen eines damals starken deutschen Staates, der zusätzlich nach dem Preußisch-Französischen Krieg 1871 enorme Kontributionen erhalten hat, intensiv entwickelte. Diese für heutige Verhältnisse unvorstellbaren Summen wurden sehr geschickt in die industrielle Entwicklung investiert, die einen sozialen Aufstieg der Bewohner mit sich brachte.

Die Industrieentwicklung in Schlesien hat sich insgesamt positiv auf die Situation der Bevölkerung, deren Lebensqualität und Ausbildungsniveau bis zur Zwischenkriegszeit ausgewirkt. Laut der Volkszählung, die in Polen 1931 durchgeführt wurde, lag der Anteil an Analphabeten über dem 10. Lebensjahr in der Woiwodschaft Schlesien (dem Teil also, der nach den Aufständen und dem Plebiszit an Polen fiel) nur bei 1,5 Prozent, in der Woiwodschaft Posen bei 2,5 Prozent und in der Woiwodschaft Polesien bei 48,5 Prozent. Sogar in der Woiwodschaft Lemberg machten Analphabeten 25 Prozent der Bevölkerung aus, was damals dem polnischen Durchschnitt entsprach.

Die industrielle Entwicklung in Oppeln bedeutete nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern brachte mit sich auch korrekte Verhältnisse zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, die das Merkmal eines fortgeschrittenen Kapitalismus waren. Die damalige Presse (u. a. die "Oppelner Zeitung") berichtete ausführlich über ein feierliches Mittagessen, dass der Besitzer der Tabakfabrik Ismar Engel für die Zigarrendreherin Agate Ebach, ausgegeben hat. Der Anlaß war deren 30jähriger Einsatz in seinem Betrieb. Dabei beteuerten die Zeitungen, dass man verdiente Arbeiter eben so ehren sollte.

Jahrzehntelang wurde das deutsche Erbe der Stadt verschwiegen. Zum Glück scheint diese Epoche, der Vergangenheit anzugehören. Die nächste Generation von Historikern wird keine Angst davor haben, dass die Erforschung der deutschen Vergangenheit gegen die polnische Staatsräson verstößt. Wenn Oppeln damals eine deutsche Stadt war, kann es uns nicht wundern, dass die Bürger, die es damals mit gestalteten, Deutsche waren.

Ein anderer Industriezweig, der sich neben den Zementwerken rasch entwickelt hat, waren die Brauereien. Es gab hier einige Brauereien und unter den Besitzern muss vor allem die Familie Friedländer genannt werden. Es gibt keine Spur mehr von ihrem Betrieb, der Schloss-Brauerei, der sich auf dem Gelände der heutigen Eiskunsthalle befand. Diese Familie lebte in der Stadt über einhundert Jahre lang und war für Oppeln sehr verdient. Siegfried Friedländer, dessen Grab auf dem jüdischen Friedhof erhalten ist, war dreizehn Jahre lang Vorsitzender des Stadtrates.

Den lokalen Markt prägte auch die Tabakindustrie. Die bekannteste Tabakfabrik, die über einhundert Arbeiter beschäftigte, gehörte Jacob Engel, dem Vater des bereits erwähnten Ismar Engels.
Sie wurde am 1. September 1859 gegründet und beschäftigte anfänglich nur zehn Arbeitskräfte. Dank einer guten Konjunktur konnte Engel seine Fabrik an einen neuen Standort verlegen und produzierte ab 1871 in der Krakauerstrasse (ul. Krakowska) 45.

Im Oktober 1883 wurde ein Großteil der Fabrik durch einen gefährlichen Brand zerstört, Tabakvorräte und das Fabrikgebäude wurden zerstört. Jacob Engel bekam von der Magdeburger und Schlesischen Versicherungsanstalt eine Entschädigung und konnte nach knapp einem Jahr nach dem Brand das 25. Betriebsjubiläum feiern. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein feierliches Abendessen im besten Saal des Oppelner Form-Hotels. Jacob Engel lud das ganze Personal seiner Fabrik dazu ein. Die Firma existierte bis in die 1930er Jahre hinein und genoss höchstes Ansehen. Sie wurde, wie andere jüdische Betriebe in der Stadt, beseitigt.

Einem Teil der Familienangehörigen von jüdischen Industriellen gelang es, rechtzeitig vor dem Judenpogrom das Nazideutschland zu verlassen. Die Familie Engel ging nach Westeuropa, die Friedländer gelangten über Kuba in die USA.
Es gibt heute auch keine Spur mehr von der Hipper-Metallfabrik auf dem heutigen Piłsudskiplatz. Man kann jedoch in Oppeln Straßenabläufe mit der markanten Aufschrift R. Hipper Oppeln, u. a. am Hauptbahnhof antreffen.
Alle diese Firmen trugen zum Wohlstand Oppelns bei, einer recht kleinen Staat, die zwar keine Chance hatte, eine Metropole zu werden, jedoch seinen Bürgern ein freundliches Stadtklima bieten konnte.
Tłum. Elf

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