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Firmen brauchen Arbeitskräfte mit sehr guten Deutschkenntnissen

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Fot. Sławomir Mielnik [O]
„An Schulen im Oppelner Land wäre ein qualitative Steigerung des Deutschunterrichts als Minderheitensprache sehr nützlich“, sagt Andrzej Durdyń, Vorstandsmitglied vom IFM Ecolink.

Die Firma IFM Ecolink wird von den Oppelnern in der letzten Zeit mit der Entstehung des Zentrums für Forschung und Entwicklung in Oppeln in Verbindung gebracht (das ist die erste derartige Investition einer deutschen Firma in Polen). Was passiert derzeit im Zentrum?

Das Zentrum für Forschung und Entwicklung ist unsere zweite Investition. Die erste war der Bau einer Produktionshalle in Oppeln, welche seit vier Jahren in Betrieb ist. Unser Forschungs- und Entwicklungsbüro wurde bereits fertig gestellt und wird nun eingerichtet. Wir setzten auf Mitarbeiter, die nicht aus dem ganzen Land, sondern aus Oppeln kommen und die hiesige Technische Hochschule oder technische Mittelschulen absolviert haben. Wir bauen es von Grund auf. Als erstes entstand das Gebäude mit den Räumlichkeiten, nun werden sie entsprechend ausgestattet und die weitere Phase wird das Aufnahmeverfahren für die potentiellen Mitarbeiter sein.

Wann wird das Zentrum richtig starten?

Eine Investition in Einrichtungen dieser Art plant man für 5-10 Jahre. Das Objekt wird am Ende dieses Jahres mit der Arbeit beginnen und den natürlichen Entwicklungsweg einige Jahre lang gehen.

Wenn Sie vor Ort nach Mitarbeitern suchen, sagen Sie bitte, was unsere Region einem deutschen Unternehmer bieten kann, was es woanders nicht gibt?

Die größte Anziehungskraft haben seit langem die Großstädte: Warschau, Krakau, Breslau oder Posen. Oppeln wurde lange Zeit von den Firmen etwas gemieden. Doch ich wollte schon immer eben hier Geschäfte machen. Die Vorteile sind die Autobahn, die kompakte Stadt, die Nähe zu der Technischen Hochschule und die Hoffnung, dass wir hier einige Leute mit guten Deutschkenntnissen finden werden.

Inwiefern haben die Existenz der deutschen Minderheit und der weit verbreitete Deutschunterricht tatsächlich positive Auswirkungen?

Aus der Perspektive unserer Fabrik sieht man, dass viele Menschen, auch die aus dem Produktionsbereich, Deutsch können. Im Verwaltungsbereich haben wir damit auch keine Probleme. Doch man muss das Problem anders betrachten. Deutsch in Polen wird - ich drücke es mal so aus - auf touristischem Niveau unterrichtet. Das reicht aus, um zu kommunizieren, wenn jemand eine touristische Reise nach Deutschland macht. Die technische Sprache wird jedoch nicht unterrichtet. Diese wird weder Zuhause gelehrt - was auch verständlich ist, weil es eine Sprache der Arbeitswelt ist - noch in der Schule. Ich habe bereits bei verschiedenen Treffen gesagt, dass ein qualitativer Sprung in der Bildung nötig ist. Es werden Bildungseinrichtungen gebraucht, wo man anhand des deutschen Lehrprogramms und am besten mit Lehrern aus der Bundesrepublik unterrichtet. Das hätte Vorteile gegenüber dem Unterricht, welcher von Lehrern gegeben wird, die keine Muttersprachler sind.

Wann sollte diese qualitative Änderung erfolgen? Auf Gymnasiumsebene, im Rahmen der Berufsausbildung?

Viele Menschen in Oppeln, in der Region, auch in unserer Firma, sind nach vielen Arbeitsjahren im Ausland, manchmal nach 10-15 Jahren zurückgekehrt. Sie haben Kinder sowohl im Kindergarten, in der Grundschule als auch im Gymnasium. Ich denke, dass es sich für den Anfang lohnen würde, mindestens eine Schule zu gründen - mit Grundschule und Gymnasium - an der, wie gesagt, anhand des Lehrprogramms irgendeines deutschen Bundeslandes und mit Lehrern aus Deutschland unterrichtet würde. Je früher dies geschehen würde, desto besser. Die Anforderungen sind heute so, dass man mehr auf Qualität als auf Quantität des Unterrichts setzen muss.

Eine Schule, auch die beste, wird diese Frage nicht erledigen. Wie kann man das Niveau an allen Schulen steigern?

Qualität, das sind vor allem eine richtige Aussprache und ein ausgebauter Wortschatz. Das erreicht man nicht unbedingt mit der Arbeit von Lehrern nach einem abgeschlossenen Germanistikstudium. Meine Tochter ist 12 Jahre alt, sie wurde in Berlin geboren und absolviert die Schule in Deutschland. Sie selbst hat beurteilt, dass der Deutschunterricht in Polen, so wie er hier abläuft, ihr keine Entwicklungsmöglichkeiten bieten würde. Ich wiederhole, bei uns, in Polen, bereitet man junge Menschen darauf vor, dass sie frei Deutsch sprechen können. Das ist aber zu wenig, damit sie zum Beispiel erfolgreich studieren können. Daher die Forderung, dass für den Anfang eine Schule mit deutschem Lehrprogramm und deutschen Lehrern entstehen sollte. Wir müssen sie nicht als eine Eliteschule bezeichnen. Wichtig ist, dass sie den Anfang macht und andere Einrichtungen in der Region positiv beeinflussen kann. Weder Rom, noch London, nicht mal unser IFM wurden an einem Tag gebaut. Wichtig ist, dass der Prozess für eine bessere Qualität in Gang gesetzt wird.

Inwieweit kann die deutsche Minderheit ein Saatbeet dieser Idee sein oder ist sie es bereits? Sie unternimmt ja bereits solche Schritte. Ich denke an dieser Stelle an die Werbung für die zweisprachige Erziehung im Elternhaus.

Sicherlich sind die Schritte der deutschen Minderheit als positiv zu bewerten. Auch wenn die Kinder am Anfang Deutsch mit Polnisch vermischen, ist das kein Problem. Je mehr sie in zwei Sprachen sprechen, umso besser. Jeder von der deutschen Minderheit organisierter Ausflug oder kulturelle Begegnung ist eine Chance, Deutschkenntnisse zu verbessern und über den Schulrahmen hinauszugehen.

Wie sollte sich die Berufsbildung in Polen ändern, damit Sie leichter Mitarbeiter finden können?

Ich denke, dass es heutzutage so gut wie keine Berufsbildung gibt. Diese sollte sich also insofern nicht mal ändern, sondern erstmal überhaupt entstehen. In der Zeit der Volksrepublik Polen gab es sicherlich viele schlechte Sachen, doch gerade die Berufsbildung war sehr gut. Die Jugendliche verließen die Schulen mit konkretem Beruf und entsprechenden Fähigkeiten. Heute möchten fast alle studieren. Doch Management und Marketing oder Politikwissenschaften werden diesen Jugendlichen keine Existenz garantieren. Immerhin haben nicht alle die Voraussetzungen zum Studieren, können aber gute Facharbeiter oder Spezialisten in anderen Bereich werden. Und diese fehlen in ganz Europa, nicht nur in Polen. Wenn gut ausgestattete Berufsschulen entstehen würden, an denen man Schlosser, Elektriker und Mechaniker ausbilden würde, dann wäre es ein Gewinn für die Firmen und für den Staat. Und so ist die Suche nach einem Bediener einer Spritzgussmaschine ein Problemfall. In 5-10 Jahren, wenn vom Arbeitsmarkt Menschen verschwinden, die ihren Beruf in den 1970er und 1980er Jahren erlernt haben, wird die Situation noch schwieriger.

Können sich solche Firmen wie IFM Ecolink an der Gründung von Berufsschulen beteiligen?

Die Gründung einer Schule nur für den Bedarf einer Firma ist schwer vorstellbar. Zwanzig Elektriker oder Schlosser können wir jährlich nicht einstellen. Aber Ausbildungsarbeit in den Werkstätten, Praktikumsplätze für die jungen Menschen - wie es einmal gewesen war - für ein halbes Jahr in einer und für ein weiteres halbes Jahr in einer anderen Firma, das ist absolut vorstellbar.

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