Gedenken an die Opfer, Vergebung für die Folterknechte

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Auf dem Friedhof der Opfer des Nachkriegslagers in Lamsdorf wurde am letzten Sonntag der Opfer der Roten Armee und des kommunistischen Nachkriegsapparats gedacht.

Seit einigen Jahren gedenkt die deutsche Minderheit am letzten Januarsonntag der Opfer der „Oberschlesischen Tragödie“. Es war die Zivilbevölkerung – Bewohner von Oberschlesien - Deutsche und jene, die man als Deutsche ansah, die während der Kriegshandlungen und nach dem Krieg ermordet, in die Sowjetunion verschleppt oder vertrieben wurden, die ihr Hab und Gut verloren haben. Die Gedenkfeierlichkeiten begannen mit einem zweisprachigen Gottesdienst in der Lamsdorfer Kirche.

„Wir wollen den Himmel für die Opfer und die Vergebung für die Folterknechte beim Gott erbitten, damit sich eine solche Tragödie nie wiederholt“, sagte bei der Begrüßung der Ortspfarrer Adam Ciosmak.

Minderheitenseelsorger Pfarrer Dr. Piotr Tarlinski erinnerte an den Aufruf aus dem Evangelium, seine Feinde zu lieben.
„Feindseligkeit kommt aus der Tiefe des menschlichen Herzens“, sagte er. „Das Ergebnis ist Hass, der zur Verachtung, Verfolgung, Krieg, Vergewaltigungen und Tod führt. Lassen wir uns nicht auf den Weg der Feindseligkeit treiben. Wir brauchen Liebe, also gegenseitige Hilfe, freundlichen Umgang miteinander, den Aufbau einer glücklichen Zukunft. Um eine solche Haltung bitten uns die Opfer der „Oberschlesischen Tragödie“, der totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts und des Terrorismus der heutigen Zeit.”

Nach dem Gottesdienst wurden auf dem Friedhof des Nachkriegslagers (an den Tafeln mit den Namen der Opfer) Blumen neidergelegt und Kerzen angezündet.

„Wir sind hier vom Deutschen Freundschaftskreis aus Psychod”, sagt dessen Vorsitzende Małgorzata Lisoń. „Aus Pogosch und Psychod wurden die Bewohner ausgesiedelt. Ein paar Menschen sind umgekommen. Nach Lamsdorf wurden Bewohner des naheliegenden Ellguth-Hammer und anderer Ortschaften gebracht. Im Gedenken an diese Menschen stellen wir diese Kerzen auf. Trotz der Zeit, die vergangen ist, kann ich weder begreifen, warum es zu den deutschen Verbrechen als auch zu der Vergeltung an unschuldigen Zivilisten, Alten, Frauen und Kindern gekommen ist“.
„Die älteren Menschen haben nicht gleich darüber gesprochen, wie sie vor den Russen geflüchtet sind und die Frauen sich in Scheunen versteckt haben, um nicht vergewaltigt zu werden. Das blieb lange ein Tabuthema. Und darüber, was sich hier in Lamsdorf ereignet hat, wurde gar nicht gesprochen“, fügt Renata Wajda aus Psychod hinzu.

Der Oppelner Stadtrat Marcin Gambiec ist aus Groschowitz gekommen.
„Bei unseren Bewohnern ist die Erinnerung an die große Flucht vor den Russen – hauptsächlich in Richtung Dembiohammer – und die Angst, für welche die Sowjets bei den Menschen sorgten, immer noch sehr lebendig“, sagt Gambiec. „Die ältesten Bewohner tragen die psychischen Spuren aus der Zeit des Einmarsches der Roten Armee bis heute“.
Insbesondere hat man diejenigen nicht vergessen, die damals ums Leben gekommen sind. Marcin Gambiec erinnert an Walter Kosack und seine Freunde, Cirol und Pospiech, die brutal ermordet wurden, indem man sie mit Pferden durch die Strassen von Groschowitz schleppte.
Ermordet wurde auch Franciszek Rudzki, Pfarrer von Groschowitz, der sich mit seinen fast 80 Jahren im Ruhestand befand. Die Sowjets forderten den Priester auf, den Messwein herauszugeben. Sie waren betrunken, stritten untereinander und schließlich erschossen sie den Priester und zündeten sein Haus in der Hindenburgstrasse an. Die verbrannten Überreste des Pfarrers wurden nach einer stillen Beerdigung neben der Kirche beigesetzt.

Gerard Wons mit Ehefrau kamen nach Lamsdorf in Gedenken an die Opfer aus der Gemeinde Zembowitz. Insbesondere an die Männer, die in den Osten verschleppt wurden.
„Es ist zumindest zum Teil gelungen, eine Liste der Internierten zusammenzustellen”, sagt Herr Gerard. „Sie gelangten in die Bergwerke vom Donbass in der Ukraine, und sogar, wie Wincenty Bonk, nach Kasachstan. Seine Urenkelin bewahrt bis heute einen Holzkoffer auf, mit dem er zurückgekehrt ist. Das waren wahre Tragödien. Ein Teil der Männer wurde verschleppt, als sie noch halbe Kinder waren, im Alter von 16-17 Jahren. Sie kehrten nach zwei, drei und manchmal erst nach fünf Jahren zurück. Von schwerer Arbeit und Hunger gezeichnet und am Ende ihrer Kräfte.“

Nach den bisherigen Informationen wurden aus Kneja 12 Männer verschleppt, aus Frei Kadlub – 7, aus Zembowitz – 6, aus Poscholkau - 2.

„Ich kann mich noch an eine Bewohnerin von Radawie erinnern, die im Alter von drei Jahren in das Lager Lamsdorf gekommen ist“, sagt Gerard Wons. „Am Allerseelen 1945 wurde ihre Mutter erschossen. Das Mädchen und seine zwei älteren Geschwistern nahm ihr Großvater zurück nach Hause. Auf diese Weise ist sie als deutsches Kind einer Umsiedlung in ein Kinderheim in der künftigen DDR entkommen”.

„Folterorte auf unserer schlesischen Erde zeigen deutlich und tragisch zugleich, wie schnell Sieger die Rolle und Methoden ihrer früheren Folterknechte übernehmen können“, sagte Vorsitzender des Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen Bernard Gaida. „Es ist am einfachsten hier zu lernen, wie schrecklich der Krieg ist und dass mit dem Einkehren des Friedens die Kriegsfolgen noch lange nicht zu Ende gehen. Hier dauerten Tod, Leid und Schmerz noch weiter an, als auf den Straßen der westlichen Welt das Ende des Krieges gefeiert wurde. Hier fuhren Viehwaggons mit Menschen in die UdSSR ab, hier sind vor Hunger, Krankheit und schwerer Arbeit Tausende Menschen gestorben.”

„Die Nachkriegsopfer kommen erst jetzt und mit Mühe an die Öffentlichkeit“, fügte Bernard Gaida hinzu. „Ins Schweigen trieb sie der Wille der Sieger, welche die Verbrechen an der Zivilbevölkerung zuerst als Ausdruck der geschichtlichen Gerechtigkeit betrachteten. Später galt das Sprechen über die Verbrechen als politisch nicht korrekt, weil es das ideologisch schädliche Gesicht des kommunistischen Systems offenbarte. Doch auch im Westen, auch in Deutschland, galt das Sprechen über das Leid der vertriebenen, deportierten und zur Zwangsarbeit gezwungenen Menschen als politisch unkorrekt. Daher muss man das anerkennen, dass wir heute darüber sprechen, der Opfer gedenken und offen für sie beten können.”

Konsulin der BRD in Oppeln Sabine Haake, erinnerte daran, dass vor 25 Jahren trotz der schwierigen deutsch-polnischen Vergangenheit der Nachbarschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern unterzeichnet wurde. „Am letzten Samstag haben Polen und Deutsche dieses Jubiläum gemeinsam in der Oppelner Philharmonie gefeiert”, sagte sie. „Das hätten sich vor 70 Jahren weder die Verbrecher noch deren Opfer vorstellen können. Wir brauchen solche Orte wie Lamsdorf, um nicht zu vergessen, was in der Vergangenheit passiert ist, aber auch um dieses in Erinnerung zu behalten, damit sich solche Tragödien nicht wiederholen können.”

Als letzte sprach Bożena Kalecińska,Minderheitenbea­u­ftragte des Oppelner Woiwoden.
„Ich bin sehr glücklich darüber, mit ihnen an diesem für Sie und nicht nur für Sie heiligen Ort sein zu können. Es ist auch ein heiliger Ort für andere Völker“, sagte sie. „Ich freue mich, dass ich hier beten und das Licht des Friedens anzünden konnte. Ich bin sehr berührt. Ich komme drei Mal im Jahr nach Lamsdorf und bin davon überzeugt, dass ich hier weiterhin kommen werde”.

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