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Herbert Hupka – Oberschlesier, Deutscher, Europäer – er wäre 100 Jahre geworden

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Świderski
In der Volksrepublik Polen als Polenfresser und Revisionist bezeichnet. Nach der Wende erkannte man ihn hierzulande als Patrioten an. Am vergangenen Wochenende wurde in Ratibor sein 100. Geburtstag gefeiert.

Die Gedenkfeier begann mit einer heiligen Messe in der Kirche am Ring. Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand im Ratiborer Kulturzentrum statt.

Herbert Hupka wurde am 15. August 1915 auf Ceylon geboren. Sein Vater, ein Physikprofessor, verließ mit seiner Ehefrau, einer deutschen Jüdin, – noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs – das heimatliche Ratibor und reiste zu Vorträgen nach China. Als der Krieg ausgebrochen ist, wurde die Familie vom englischen Militär gefangen und landete im Internierungslager auf Ceylon, wo der künftige Aktivist des Bundes der Vertriebenen zur Welt kam. Nach der Freilassung aus dem Lager überlebte der Vater von Hupka die Rückfahrt nach Hause nicht und die Mutter kehrte als Witwe mit dem Sohn nach Ratibor zurück. Hier verbrachte Hupka seine Kindheit, von hier aus fuhr er ins Landesinnere um zu studieren.

In der Volksrepublik Polen, als man die Kinder mit Hupka als Revisionisten und Polenfresser schreckte, wurde sorgfältig verheimlicht, dass er einen Doktortitel in Philosophie erwarb und u.a. ein Studium der Theologie und Germanistik absolviert hatte.

Im Zweiten Weltkrieg kam er zur Wehrmacht und war Unterleutnant. Wegen der jüdischen Herkunft seiner Mutter wurde er degradiert und ins Gefängnis gesteckt. Seine Mutter wurde in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Lagers gingen sie nach München, um noch mal nach Ratibor zurückzukehren und letztendlich im Oktober 1945 die Stadt für immer zu verlassen.

„Bei der Grenzüberquerung wurde ich ein paar Mal verhaftet und dann wieder freigelassen“, erzählte Hupka im Interview für die nto. „Eine Messe mit polnischer Predigt und polnischem Gesang und Marschmusik verabschiedeten mich, als ich die Heimat verließ. Ich war unglücklich. Ich lies in Oberschlesien die Erinnerung an meine Eltern, meine Kindheit sowie die Gräber meiner Großeltern zurück”.

Nach dem Krieg gelang er nach München, wo er anfing, als Journalist zu arbeiten und sich zuerst in der SPD und dann in der CDU politisch engagierte.

Von Anfang seiner politischen Aktivität an engagierte er sich für die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. 32 Jahre lang war er Präsident der Landsmannschaft Schlesien und Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen sowie vier Amtsperioden Bundestagsabgeordnete der CDU.
Nach 1990 sagte er in dem erwähnten nto-Interview:
„Ich habe viele Male unterstrichen und werde es noch Mal wiederholen, dass die von Deutschland geschlossenen Verträge, darunter der Vertrag mit Polen, geltend sind und als Normen des internationalen Rechts befolgt werden müssen. Doch als Demokrat behalte ich mir das Recht auf Kritik. Die Oder-Neisse-Grenze wurde nach meiner Überzeugung von Stalin gezogen. Wir haben das Glück, dass es heute eine offene Grenze ist”.

Er betonte immer, dass er trotz seiner fünfzigjährigen Abwesenheit in Schlesien seine Liebe zur Heimat nicht verloren hat. „Eine besondere Liebe gilt meiner Heimat Schlesien und Ratibor seit 1990, als es mir gegeben war, hierher nach 45 Jahren zurückzukehren. Ich fühle mich immer noch als Ratiborer, Oberschlesier und Deutscher. Doch zugleich vertrete ich Europa. Dieses Europa, welches eine gemeinsame Chance von Polen und Deutschen ist. Wenn es gelungen ist, ein sehr gutes Verhältnis mit Frankreich aufzubauen, bin ich überzeugt, dass es auch mit Polen gelingt“, sagte Hupka.

Er erkannte an, dass neben Autochthonen in Schlesien Ankömmlinge aus Ostpolen und Zentralpolen leben. „Ich weiß, dass sich viele von ihnen heute mit Schlesien identifizieren. Wir haben also heute mit zwei Gruppen von Schlesiern zu tun. Die einen hatten hier schon immer ihre kleine Heimat und die Anderen haben sie hier erst später gefunden. Diese Gruppen können und sollten sich miteinander treffen. Das ist ein Segen dieser Erde“, urteilte er.

Nach dem Fall des Kommunismus und der Vereinigung Deutschlands reiste Hupka oft nach Polen und knüpfte hierzulande Kontakte, auch zur deutschen Minderheit. Er organisierte Hilfe für die Strukturen der Minderheit, engagierte sich aber auch zugunsten der polnischen Mehrheit. In den 1990er Jahren gelang es dank seinem Einsatz einen Zuschuss aus Deutschland in Höhe von 5 Mio. DM für den Bau der Kläranlage in Ratibor zu erhalten. Der Stadtrat von Ratibor verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft.

Die Vertreibung an sich beurteilte er immer kritisch. Er forderte bis zum Lebensende die Suche nach gerechten Lösungen, welche die Rückkehr von Vertriebenen erlauben würden, ohne dabei die neuen Bewohner von Schlesien mit Leid zu belasten.
„Vertriebene sind immer noch Vertriebene, solange wir keine rechtliche Garantie auf Rückkehr in die Heimat haben“, sagte er in dem zitierten Interview. „Ob jemand von diesem Recht Gebrauch machen möchte und wie viele für eine Rückkehr bereit sein werden, bleibt ein großes Fragezeichen. Doch das Recht auf Rückkehr an sich sollte gewährleistet werden, weil es zur europäischen Rechtsordnung gehört. Es glorifiziert doch heute niemand mehr die Vertreibungen in Europa. Ich möchte dabei betonen, dass ich nicht dafür bin, dass man den Beitritt Polens in die Europäische Union mit irgendwelchen Bedingungen bezüglich Entschädigungen für Vertriebene für hinterlassenes Gut in Verbindung bringt. Die Anerkennung der Rechte von Vertriebenen kann nicht zu neuen Vertreibungen führen. Sicherlich darf niemand von den vertriebenen Deutschen versuchen, sein ehemaliges Haus, welches nun von jemanden Anderen bewohnt wird, mit dem alten Schlüssel zu öffnen. Im Rahmen einer Entschädigung steht nicht immer Geld an erster Stelle. Ich halte moralische Entschädigung für sehr wichtig – die Verurteilung der Vertreibung von der polnischen Seite und die Bestrafung der Schuldigen, die es vollbracht haben. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Bundes der Vertriebenen liegt heute nicht mehr auf staatlicher Ebene, sondern vielmehr in der Aufrechterhaltung der Kontakte zu den Regionen – Pommern, Schlesien oder Ostpreußen. Wir kümmern uns um die Traditionspflege und das ganze Wissen über die Geschichte dieser Gebiete. Diese Funktion ist mit der Anerkennung der deutsch-polnischen Verträge nicht überflüssig geworden“.

Als erster Politiker aus den Vertriebenenkreisen hat Hupka den deutsch-polnischen Grenzvertrag anerkannt. Er war ein ehrlicher Demokrat. Er war der Meinung, dass er diese Entscheidung akzeptieren muss, wenn die Demokratie so entschieden hat. Sogar seine Gegner haben ihn für diese Geradlinigkeit respektiert.

„Der deutsche Patriotismus unterscheidet sich nicht vom polnischen Patriotismus. Patriotismus ist die Liebe zum Vaterland und zur Heimat. Doch heute erhielt der Patriotismus noch einen neuen Aspekt. Dazu gehört noch, Europäer zu sein. Eben als Patriot befürworte ich möglichst gute wirtschaftlich-kulturelle Kontakte zwischen Polen und Deutschland auf der Basis eines gemeinsamen Europas. Das ist eine optimistische Vision, doch ein Politiker muss ein Optimist sein und eine Zukunftsvision haben“, erklärte er.

Er verstarb am 25. August 2006 im Alter von 91 Jahren. In der St. Jakobuskirche in Ratibor wird jedes Jahr anlässlich seines Todestags eine Messe für die Seele des Verstorbenen gefeiert.

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