Oberschlesische Tragödie - unbekannte Geschichte

    Oberschlesische Tragödie - unbekannte Geschichte

    Krzysztof Ogiolda

    Nowa Trybuna Opolska

    Oberschlesische Tragödie - unbekannte Geschichte
    Die vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und Institut für Geschichte der UO organisierte Konferenz zeigte, dass wir über Ereignisse der Jahre 1945-1950 noch immer wenig wissen.
    Oberschlesische Tragödie - unbekannte Geschichte
    Die wissenschaftliche Tagung "Oberschlesische Tragödie als ein Barometer des gegenwärtigen Diskurses über Polen und Deutsche?" hat auch viele positive Erfahrungen gebracht. Sie zeigte, dass sowohl aus Seiten der deutschen Minderheit als auch der Mehrheit ein echtes Interesse für diese Thematik besteht. In der "Aula Błękitna" des Collegium Maius der Universität Oppeln gab es mehr Zuhörer als Sitzplätze. Die vorgetragenen Referate haben das Wissen des Publikums um viele Aspekte der Tragödie erweitert.

    Die Staatsanwältin Ewa Koj von der Kattowitzer Abteilung der Kommission für Verbrechensverfolgung gegen das polnische Volk des Instituts für Nationales Gedenken sprach im Hinblick auf das Völkerrecht von Terrorakten, die sich in Oberschlesien in den Jahren 1945-1949 abgespielt haben.
    Morde, Vergewaltigungen, Verschleppungen, Einsperren in Arbeitslager und brutale Verhöre und Untersuchungen, die von den Soldaten der Roten Armee, Funktionären des NKWD und des kommunistischen Zwangspparats ausgeführt wurden, stufte sie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein.

    Niemanden von den Teilnehmern der Konferenz ließ der Vortrag über die Gehenna der Frauen in bewaffneten Konflikten unberührt, der von Dr. Małgorzata Świder, der stellvertretenden Leiterin des Instituts für Geschichte der Universität Oppeln, gehalten wurde. Die Referentin sprach offen vom erschütternden Ausmaß dieses Leids sowie der Mentalität der Täter. Diese handelten nach dem Prinzip: "Den Mann umbringen, das Weib vergewaltigen oder der Soldat kämpft und macht Beute nicht nur an der Front, sondern auch im Schlafzimmer".
    Ein ebenso tragisches Kapitel der Repressionen waren die Zwangsdeportationen zur Arbeit in die UdSSR. Das Ausmaß dieses Phänomens bleibt immer noch weitgehend unbekannt und diskutabel. Die Zahl der Verschleppten wird in verschiedenen Publikationen zwischen 15.000 und 90.000 angegeben. Nur ein Bruchteil hat den Aufenthalt auf der "unmenschlichen Erde" überlebt. Der letzten Internierten wurden erst im Jahr 1950 nach Hause entlassen. Sie kamen oft krank und schwer traumatisiert zurück. Das Trauma liess sie bis zum Lebensende nicht los.

    Dariusz Węgrzyn vom Kattowitzer Instituts für Nationales Gedenken erinnerte daran, dass nach Angaben des NKWD im Zeitraum Februar-April 1945 77.500 Menschen aus Oberschlesien zur Zwangsarbeit in den Osten abtransportiert wurden, darunter waren sowohl Männer als auch Frauen. Um die Oberschlesier zu internieren, brauchte man ihnen keine konkreten Vorwürfe zu machen. Als Deutsche wurden zu einem Teil der Kriegsreparationen. Die Entscheidung über die Deportationen, die übrigens auch in der Woiwodschaft Schlesien, die vor dem Krieg ein Teil Polens gewesen war, durchgeführt wurden, fielen die Sowjets bereits vor dem Ende der Konferenz in Jalta (4 bis 11 Februar 1945).
    Bogusław Tracz vom Institut für Nationales Gedenken in Kattowitz hat die Mechanismen des Verbrechens während der Eroberung Oberschlesiens durch die Rote Armee dargestellt.

    "Während auf ethnisch polnischen Gebieten die Rotarmisten theoretisch noch in gewissen Schranken gehalten wurden" sagte er, gab es in Oberschlesien keine Hemmungen mehr." Der Befehl des Hauptkommandos der Roten Armee vom 9. August 1944, in dem es hieß, dass Gebiete, die vor 1939 zu Deutschland gehört hatten als Kriegsbeute zu behandeln sind, gab den Siegern Handlungsfreiheit.

    Der Einmarsch der Roten Armee verlief in den meisten Städten und Dörfern ähnlich. Überall brachte er Terror: Hinrichtungen, Vergewaltigungen und Plünderungen. Zum Vorwand für die Ermordung einer ganzen Familie konnte z.B. ein an der Wand hängendes Sportmeisterschaftsdiplom werden. Ermordet wurden übrigens ohne Unterschied sowohl Deutsche als auch Mitglieder des Bundes der Polen in Deutschland und Zwangsarbeiter, die oft die Rote Armee als authentische Befreier erwarteten. Wer seine Frau oder Tochter verteidigt hatte, wurde umgebracht. Es sind auch Pfarrer umgekommen, die Frauen verteidigten oder mit den Soldaten verhandeln wollten. "Jagden auf Popen" waren ein wichtiger Bestandteil der damaligen Verbrechen.

    Das Bild der Gewalt in Oberschlesien vervollständigte eine massenweise durchgeführte Demontage von Industrieanlagen. Dabei wurden die internierte örtliche Bevölkerung und Gefangene beschäftigt. Bogusław Tracz hat viele Beispiele der Demontagen gennant: Die Hütte "Malapane" in Malapane hat 200 Werkzeugmaschinen, 6 elektrische Öfen, 30 Formermaschinen und 100 Motoren verloren. In Hindenburg wurde das grösste und modernste Elektrizitätswerk in Oberschlesien demontiert. Ähnlich erging es den Elektrizitätswerken in Medar-Blechhammer, Kandrzin und Miechowitz.
    Im zweiten Quartal des Jahres 1945 war das Demontagetempo so hoch, dass die Russen mit dem Abtransportieren der Beute nicht mehr mithalten konnten.

    Das Ende dieser Aktion brachte erst die Unterzeichnung des polnisch-sowjetischen Abkommens nach der Konferenz in Potsdam (August 1945). Die Bilanz der Verluste war so groß, dass der Produktionsrückgang in den jeweiligen Industriezweigen zwischen 50 und 70 Prozent schwankte.
    Dr. Guido Hitze von der Landeszentrale für politische Bildung in Nordrhein-Westfalen hat aufgezeigt, wie die Oberschlesische Tragödie und die daraus resultierende Vertreibung in Deutschland betrachtet werden. Er hat unterstrichen, dass seine Familie, ähnlich wie ein Viertel der Einwohner von Nordrhein-Westfalen, persönlich von dem Problem der Vertreibung betroffen ist. Gleichzeitig stellte er fest, dass die Oberschlesische Tragödie in Deutschland im Allgemeinen nur wenig bekannt ist. Er appellierte, im Hinblick auf den Aussöhnungsprozess die Ereignisse von damals aus vielerlei Perspektiven zu betrachten und die Vertreibung nicht nur als "Strafe für Auschwitz" zu erklären.

    Die abschliessende Posiumsdiskussion hat gezeigt, dass die Oberschlesische Tragödie trotz vieler feststehender Tatsachen und erschütternder Zeugnisse immer noch ein weitgehend unbekanntes und von Historikern nicht geschriebenes Geschichtskapitel bleibt. Die Diskussionsteilnehmer unterstrichen, dass wir, obwohl es bereits seit 20 Jahren ein freies Polen gibt, auf Beiträge angewiesen sind - Artikel und Bücher -, die diese Ereignisse aus der Perspektive von einzelnen Ortschaften oder Milieus zeigen. Es fehlen immer noch eine Gesamtdarstellung der Tragödie und präzise und komplexe Zahlenangaben, so der Ermordeten, der Deportierten oder der vergewaltigten Frauen. Es fehlt eine Monographie der sowjetischen Verbrechen und Deportationen, der Repressionen des kommunistischen Machtapparats der Nachkriegszeit oder des Lagersystems.

    Für ernste Kontroversen sorgte auch die Frage der zeitlichen Eingrenzung der Oberschlesischen Tragödie.
    "Vielleicht sollte man den 1. September 1939 als den Tag betrachten, der den Anfang brachte als eben aus Oberschlesien Richtung Wieluń Kampfflugzeuge gestartet sind", meinte Professor Michał Lis vom Schlesischen Institut in Oppeln. "Durch die Bombardierung der Stadt sind dort 1.200 Menschen umgekommen. Wir dürfen die verschiedenen Sichtweisen nicht vergessen und sollten darüber ehrlich miteinander reden, und das bedeutet, dass beim Reden über die Oberschlesische Tragödie auch das berücksichtigt werden muss, was ihr vorausgegangen war".

    Es stellte sich rasch heraus, dass in der Praxis die Bestimmung dieser Grenze nicht einfach sein wird. Dr. Danuta Berlińska, Soziologin von der Universität Oppeln, schlug vor, als Anfangsdatum die Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts anzunehmen. Die Teilnehmer der Diskussion haben bitter-scherzhaft gemeint, dass die Verschiebung des Anfangsdatums der Oberschlesischen Tragödie nach vorne z.B. erst beim Datum der Schlacht bei Liegnitz (1241) zum Stehen gebracht werden könnte. Nicht geringere Schwierigkeiten gibt es auch mit dem Abschlußdatum. Es gibt keine Einigkeit darüber, ob man als das Ende der Tragödie das Jahr 1949 annehmen sollte, da es Repressionen seitens der Miliz und des Sicherheitsdienstes auch nach 1950 gegeben hat.

    Dr. Danuta Berlińska unterstrich auch, dass dieselben Ereignisse anders von der objektiven Wissenschaft betrachtet und anders im Gemeinschaftsgedächtnis einfacher Menschen verankert werden können. Die letzteren sollten nicht nach dem Prinzip der kollektiven Verantwortung beurteilt werden.

    Bernard Gaida, Vorstandsvorsitzender des VdG, ermahnte, dass die Einengung der Tragödie ausschließlich auf Oberschlesien mit einem "regionalen Egoismus" droht. Er erinnerte daran, dass ähnliche Repressionen auch u.a. Deutsche in Lodz oder in anderen Städten sowie Bewohner Ostpreussens erlebt haben, (wie das unlängst der bekannte Film "Róża" zeigte). tłum. ELF

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