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Wer die Heimat verließ, wer kommt zurück

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Zaktualizowano 
Der Film "Die geteilte Klasse" von Andrzej Klamt wirft erneut die Fragen auf, ob es sich gelohnt hat nach Deutschland auszuwandern und was passieren muss, damit es sich lohnt zurückzukehren.

Andrzej Klamt ist ein deutscher Regisseur und stammt aus Beuthen. Er wurde 1964 geboren und begann seine Ausbildung 1971 in der Grundschule Nr. 5 in Beuthen.

"Die Idee für diesen Film kam mir vor fünf Jahren, als ich die Homepage von Nasza Klasa (Unsere Klasse) besucht habe", sagt der Regisseur. "Damals wurde es mir klar, dass meine Schulkameraden zur Hälfte deutsche Adressen angegeben haben. Ich dachte, dass daraus etwas mehr entstehen könnte, als nur eine Geschichte über meine Schulfreunde. Vom Prozess der Auswanderung, insbesondere im Kriegszustand, war doch ganz Schlesien betroffen. Die Aufteilung in jene, die ausgewandert sind und jene, die geblieben sind, ist praktisch in jeder Familie anzutreffen."

Am vergangenen Mittwoch war der Film "Die geteilte Klasse" im Kulturzentrum in der Oleska Strasse in Rahmen einer vom Haus der Deutsch Polnischen-Zusammenarbeit organisierten Vorführung zu sehen. Den kleinen Kinosaal füllten vor allem Vertreter der deutschen Minderheit. Es fehlte hingegen an Studenten der Geschichte und Germanistik.

Im Klamts Film prallen Erinnerungen aufeinander von den Schulkameraden, die ausgereist sind (sie erzählen konsequent auf Deutsch über sich) und denjenigen, deren Eltern sich für eine Ausreise nicht entschlossen haben.

In den Aussagen tauchen Erinnerungen auf, die für Aussiedler aus Oberschlesien typisch sind. "Man hat mir bereits in der Schule zum verstehen gegeben, dass ich keine Polin bin und es war nicht angenehm", sagt eine Frau im Film. "Ich wurde als Hitlerjunge beschimpft, obwohl ich mit den Nazis nichts zu tun hatte", sagt ein Mann. "Ich habe mich als Pole mit deutschen Wurzeln empfunden", meint ein Anderer.

Die Spätaussiedler zählen die Rechte auf, von welchen deren Eltern auf den Weg in den Westen mit ihren heranwachsenden Kindern getrieben wurden. Die Kinder waren ja nicht immer davon begeistert ihren Heimatort und eventuell die erste Jugendliebe zu verlassen. Die Beweggründe der Aussiedler waren vielschichtig, es war das Bewusstsein der deutschen Identität und der Wille sich das Leben in einer besseren, reicheren Welt, mit völlig anderen Perspektiven einzurichten.
"Ein eigenes Haus, ein Auto, Urlaub im Ausland waren hierzulande nur im Bereich der Träume und dort zum Greifen nah", gesteht einer von den Protagonisten in dem Film. "In der grauen Realität des Sozialismus waren Stifte und Kleidung, die wir in Paketen aus Deutschland bekamen, besonders bunt."

"Als ich zu arbeiten begann, hat man mir schnell zu verstehen gegeben, dass ich nur bis zur einer gewissen Grenze befördert werden kann. Das was darüber lag, war nichts für einen Oberschlesier", erinnert sich einer von den Männern. "Andererseits habe ich in Deutschland Ähnliches erlebt. In Oberschlesien war ich für einen Teil der Menschen ein Deutscher, hinter der Grenze war ich für manche ein Pole."
Der Sinn des Filmes von Klamt geht weit über sentimentale Erinnerungen an die verlassene Heimat hinaus. Der Regisseur wollte die Gesellschaft auf beiden Seiten der Grenze zum Nachdenken bewegen: Wer und was hat aufgrund der Massenauswanderung aus Oberschlesien nach Deutschland verloren oder wer und was hat gewonnen.

"Das Thema der Ausreise von einer halben Million Autochthonen wurde in Polen immer noch nicht ernsthaft aufgegriffen", meint Andrzej Klamt. "In Deutschland gibt es ein symmetrisches Problem. Dort macht sich niemand besonders Gedanken darüber, was die Eingereisten, die sich mit der deutschen Bevölkerung integriert haben, eingebracht haben. In beiden Ländern stößt der Film vor allem bei Oberschlesiern und Menschen, die mit Oberschlesien irgendwelche Verbindung haben auf Interesse. Und diese reagieren sehr emotional. Ich möchte sehr, dass der Film ein breiteres Publikum gewinnt."
Der Oppelner Demograph, Dr. Kazimierz Szczygielski, bestätigt die Diagnose des Filmemachers. Die Massenmigration aus Oberschlesien ist ein Thema, dass etwas in Vergessenheit geraten ist und nie Gegenstand eingehender Analysen war. Diese wären allerdings für beide Länder nützlich.
"Der Grund für die Ausreise war nicht nur die Lebensqualität", meint Dr. Szczygielski. "Obwohl ihretwegen viele Menschen bereit waren im Ausland unterhalb ihrer Kompetenzen und Möglichkeiten zu arbeiten. Viele fühlten sich angesichts der gesellschaftlichen Lage in der Volksrepublik Polen, der Spannungen und der Umwandlung des Staatssystems nicht mehr sicher. Sie sind vorsichtshalber in einen Rechtsstaat gegangen. Und dabei ging es nicht darum, dass dort auf der Straße kein Papier herumlag. Es handelte sich eher um die stabile soziale Lage."

Es gibt keinen Zweifel, dass die aus menschlicher Sicht verständliche, große Auswanderungswelle aus der heutigen Sicht personelle Verluste für die Region und für die deutsche Minderheit bedeutet. Es sind sehr viele Menschen gegangen, die eine feste Identität, Unternehmungslust und Erfindungsgeist hatten. Wenn es damals gelungen wäre sie von der Ausreise abzuhalten, wäre das demographische Problem der Region heute geringer. Und auch die deutsche Minderheit hätte wohl nirgendwo Probleme, die von dem Minderheitengesetz vorgeschriebenen 20 Prozent zu überschreiten.
"Wie sehr diese Menschen in der Region fehlen, ist mir vor kurzem bewusst geworden, als ich zu einem bereits in Deutschland geborenen Enkel eines ehemaligen Lehrers aus Chronstau, Kontakt aufgenommen habe", sagt Rafał Bartek, Generaldirektor des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. "Ich habe im Internet gesehen, wie vielseitig engagiert dieser Mensch ist: Er spielt, komponiert, leitet einen Chor, ist in der Kommunalpolitik und in der Pfarrgemeinde aktiv. Dann dachte ich daran, wie viel die Gemeinde und die Region von diesen Menschen profitieren könnte, wenn sie hierzulande wären. Ohne sie - was man bei vielen Wahlen auf Hochschul-, Kommunal- und Politikebene bemerkt - dreht sich oft jahrelang alles um die gleichen Namen und Gesichter."
Darüber zu klagen, dass es in Oberschlesien keine Migranten gibt, hat natürlich keinen Sinn. Sinnvoller ist die Frage danach, was passieren muss um die Spätaussiedler und deren Nachkommen zur Rückkehr zu bewegen.
"Das wird sicher nicht einfach sein", gesteht Dr. Szczygielski. "Polen grenzt noch immer an die Bundesrepublik, deren Wirtschaft weltweit auf Platz drei liegt. Das hat viele positive Auswirkungen, vor allem für unsere Exporteure, doch wir werden noch über Jahre keine Chance haben, um einen solchen wirtschaftlichen Machthaber einzuholen. Man sollte nicht vergessen, dass die Ersparnisse einer durchschnittlichen Hausfrau in Deutschland neun Mal höher sind, als bei ihrer Kollegin aus Polen. Eine Chance darauf Aussiedler in die Region zu locken könnten große deutsche Investitionen, bekannter Firmen locken. Für einen Investor aus China werden sie nicht unbedingt zurückkommen, aber für einen, der ihr Vertrauen weckt, sehr wohl."

Nach Meinung von Rafał Bartek, wäre Arbeit vor Ort ein wichtiger Faktor, der zur Entscheidung über eine Rückkehr beitragen könnte. Doch Arbeit alleine reicht nicht aus. Es bedarf an Politik auf Kommunal- und Landesebene. Auch eine familienfreundliche Politik ist vonnöten.
"Ich kann von einer Situation berichten, die ich selbst kenne: Zwei Familien bauen ein Haus. Die eine in Köln, die zweite in dem von Arbeitslosigkeit schwer betroffenen Stadt Nikolai. Diese deutsche Familie hat drei Kinder, bekommt also solche Zuschüsse, dass es ihnen gelungen ist billiger das Haus zu bauen. Natürlich sind die Möglichkeiten in Deutschland anders, aber bei uns denkt man nicht mal in diese Richtung. Und es bleibt die Frage nach der Stabilität. Viele von unseren Lehrern haben Angst ihre Arbeit zu verlieren, weil Schulen geschlossen werden. Im Westen hat ein Lehrer, der verbeamtet ist, die Sicherheit, dass der Staat sich um eine Arbeitsstelle für ihn bemühen wird."

Nach Meinung von Dr. Szczygielski, muss man bereits heute daran denken die Aussiedler in die Region zurückzulocken. Das Oppelner Schlesien kann ein toller Ort sein, wo man von seiner in Deutschland erarbeiteten Rente gut lebt, im eigenen Haus oder einen geeigneten Einrichtung.
"Wir werden bald aus demographischen Gründen gezwungen sein Menschen zu "importieren", meint Kazimierz Szczygielski. "Den Einwohnern in Oberschlesien wird es mit Sicherheit leichter fallen ihre zurückgekehrten Landsleute als Einwanderer aus China, Indien oder einem anderen asiatischen Land zu akzeptieren."
Tłum. Elf

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