Heute ist Englisch ein Muss, doch Deutsch ist ein Plus

Krzysztof Ogiolda
Krzysztof Ogiolda
Pro Liberis Silesiae
- Eine neue Generation wächst heran, welche die deutsche Sprache von Kind an kann - sagt Waldemar Gielzok, Vorsitzender der Deutschen Bildungsgesellschaft

Am Sonntag wurde der von der UNESCO ausgerufene Welttag der Muttersprache gefeiert. In diesem Kontext frage ich, warum - außer Polnisch - Schüler in unseren Region Deutsch lernen sollten. Reicht Englisch nicht aus?
Mehrsprachigkeit oder zumindest Zweisprachigkeit ist die Antwort auf diese Frage.

Polnisch und Englisch sind auch zwei Sprachen...
In der heutigen Welt ist Englisch ein Muss, doch Deutsch ist ein Plus. Wenn wir uns durch etwas auszeichnen wollen, auch auf dem Arbeitsmarkt, reichen Englischgrundkenntnisse nicht aus. Insbesondere in unserer geopolitischen Lage. Der Haupthandelspartner Polens ist Deutschland. Zu den sehr wichtigen Partnern Deutschlands gehört Polen. Hinzu kommt ein ganzes Netz von gemeinsamen Firmen. In großen Konzernen ist Englisch die Konzernsprache, die Sprache der Wirtschaftsbegriffe. Doch die Verhandlungen, Entwicklung der Strategie erfolgt in Deutsch - dies ist die Arbeitssprache. Es lohnt sich, diese zu sprechen, um auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben.


In der Region und im Umfeld der deutschen Minderheit wird der Tag der Muttersprache groß gefeiert. Ich frage, ob zu Recht, wenn Deutsch doch immer noch selten die Sprache von Mutter oder Vater ist, eher öfters von Oma und Opa.

Die Renaissance der deutschen Sprache liegt noch vor uns. Die Lücke nach der Ära der Volksrepublik Polen führt dazu, dass man schwer von der Generation der Väter und Mütter sagen kann, dass es eine Generation wäre, die Deutsch beherrscht. Es handelt sich eher um Ausnahmen, die das tun. Auch im Falle von Personen, die nach Polen nach längerem Aufenthalt in Deutschland zurückgekehrt sind. Wir sind ein bisschen in der Lage wie der Staat Israel Ende der 1940er Jahre. Man sollte irgendeine Amtssprache einführen. Vor dem Krieg war Jiddisch die Kommunikationssprache in Europa. Hebräisch war eine Sprache der Liturgie, die vorwiegend nur Geistlichen bekannt war. Und es ist doch gelungen, diese Sprache als Amtssprache einzuführen. Heute ist sie allgemein bekannt. Das bedeutet, dass eine erfolgreiche Renaissance einer Sprache möglich ist. Doch nur unter der Bedingung, dass wir alle dieses Ziel vor Augen haben und uns über dessen Wert im Klaren sind. Die Fortschritte sieht man. Das Niveau des Deutschunterrichts wächst. Das bestätigen objektiv die Examensergebnisse an den Gymnasien oder die Resultate der Spracholympiaden. In der Generation der Eltern beobachte ich auch das steigende Bedürfnis, die „Sprachlücke“ zu überwinden. Einen guten Vorwand für diesen Versuch liefert die Teilnahme der Kinder an den Samstagskursen.

Den Schülern aus dem Oppelner Land und aus der Minderheit wächst Konkurrenz. Denn Polen ist das Land in Europa, in dem es die größte Zahl von jungen Menschen gibt, die Deutsch lernen (außer den deutschsprachigen Ländern). Irgendwie der Regel zum Trotz: Seit eh und je wird ein Deutscher dem Polen kein Bruder sein.
Solche Propaganda-Archaismen gibt es viele. Doch nichtsdestotrotz gibt es in der polnischen Gesellschaft eine sehr starke Neigung zur deutschen Kultur. Das Bewusstsein wächst, dass viele Deutsche die polnische Kultur mit gestaltet haben. An dieser Stelle kann man Elsner, Chopins Lehrer, oder Samuel Bogumił Linde, den Autor des ersten Wörterbuchs der polnischen Sprache nennen. Sogar General Anders stammte aus einer deutschen Familie, die sich polonisiert hatte. Unweit von Wreschen/Września, dem Ort, der für den Streik der polnischen Kinder bekannt ist, die keinen Religionsunterricht auf Deutsch haben wollten, öffnete Volkswagen eine wichtige Fabrik. In Großpolen - wo die Menschen, historisch gesehen, gerechtfertigte negative Gefühle gegenüber Deutschland haben könnten - bin ich von den Deutschkenntnissen der Jugendlichen beeindruckt. Obwohl sie gar keine deutschen Wurzeln haben. Auch bei uns lernen Deutsch Kinder aus polnischen Häusern. Die Eltern sehen darin einen Vorteil. Und diese Schüler überholen sogar ihre Mitschüler mit deutscher Abstammung.


Ist das ein Grund zur Freude oder zur Trauer?

Mich freut das, weil jeder Fortschritt der Gesellschaft ein Grund zur Freude ist. Ich fühle mich vor allem als Katholik, an zweiter Stelle als Deutscher und an dritter Stelle als polnischer Staatsbürger. Ich betrachte die Gesellschaft als eine Gemeinschaft und daher sollte die persönliche Entwicklung eines jeden Einzelnen, der zu dieser Gemeinschaft gehört, freuen. Das sollte Menschen aus der deutschen Minderheit anspornen. Insbesondere als das nationale Bewusstsein dynamisch ist. Das ist kein Grund zur Trauer, dass ein Kind aus einem in der deutschen Kultur verankerten Haus die polnische Identität entdeckt, weil es in der polnischen Kultur assimiliert ist. Doch der gleiche Prozess erfolgt auch in die entgegen gesetzte Richtung. Ihre deutsche Wurzeln haben nach Jahren der bekannte Schauspieler Edward Linde-Lubaszenko oder - bei uns in Oppeln - ein verdienter Chirurg und Onkologe, Dr. Aleksander Sachanbiński entdeckt. Keine solche Selbstdefinition kann nicht als Akt des Verrats begriffen werden.


Zurück zu den Schulen. Entwickelt die zweisprachige Bildung besser die Schüler?

Zweisprachigkeit begünstigt die Überwindung von einer gewissen Begrenzung in der Weltbetrachtung. Es entwickelt Empathie und Offenheit. Zweisprachige Personen denken flexibler. Deren Welt ist reicher. Ich habe unlängst in Deutschland mit Chinesen gesprochen. Sie wunderten sich, dass man im Englischen sprachlich keinen Onkel vom Onkel väterlicherseits unterscheidet. Im Polnischen, wie auch im Chinesischen, gibt es diese Unterscheidung. Dieses einfache Beispiel zeigt, dass Mehrsprachigkeit das Weltbild erweitert. George Steiner, Polyglotte und Autor des Buches „Nach Babel. Aspekte der Sprache und des Übersetzens” - bemerkte, dass wir mit einer Dominanz der anglo-amerikanischen Weltsicht zu tun haben. Dadurch droht die Zerstörung des Erbes der Kultur und Mythen, mit denen andere Nationen die Realität betrachtet haben. Letztendlich ist das „Umschalten“ im Alltag von einer Sprache in die andere ein wunderbares kognitives Training. Für Kinder und Erwachsene.


Vor einiger Zeit haben unter der Schirmherrschaft der Deutschen Bildungsgesellschaft die Arbeiten an der Anpassung des Lehrbuches für Deutsch als Minderheitensprache an die Bedürfnisse der Oppelner Schüler begonnen.

Die Arbeiten sind weit fortgeschritten. Es ist gelungen, die Autorenrechte für die meisten Texte, Bilder und graphische Bearbeitungen zu erhalten. Wenn es keine drastische Änderung der gesetzlichen Bestimmungen geben wird, wird das Lehrbuch im September des kommenden Jahres eingeführt. Der Prozess der Anpassung des Buches ist vielfältig und erfordert Zeit. Viele Probleme lösen wir dank der Tatsache, dass der renommierte Verlag Klett unser Partner ist. Wir wissen z.B. nicht alle, dass die Regeln für das Schreiben von Buchstaben in der ersten Klasse in Polen und in Deutschland unterschiedlich sind. Diese Unterschiede muss man ausgleichen. Doch sicherlich werden das Lehrbuch und die Hilfsmaterialien für Lehrer schon bald fertig. Deren Einführung wird ein Meilenstein im Unterricht des Deutschen als Minderheitensprache sein.

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